Von wegen Verlierer: „So sehen Sieger aus“

Bad Königshofen stand dem Bus Spalier und feierte die Tischtennis-Helden von Düsseldorf

Was sich am Sonntagabend von 22 bis 23 Uhr am Marktplatz in Bad Königshofen ereignete, war vielleicht eines Tages etwas Historisches. Es war aber nicht von langer Hand geplant wie so manche Entscheidungen beim Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen. Der eine Woche lang, von Pfingstmontag über den Donnerstag bis zum vergangenen Sonntag, in Tischtennis-Deutschland für Furore sorgte. In den Play-offs, dem Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, hatte man das Heimspiel zuerst gewonnen, das Rück- und das Entscheidungsspiel, beide in Düsseldorf, aber verloren.

Dass man wirklich etwas verloren hatte, das war höchstens den Spielern und dem Trainer Koji Itagaki anzumerken. Wann hatte ein solcher Außenseiter aus der Kleinstadt schon mal die Hand so nahe an der Meister-Schärpe, die diese Borussia Düsseldorf schon 33 Mal gewonnen hat. Das Quartett Bastian Steger, Jin Ueda, Filip Zeljko und Martin Allegro wurde noch in der Halle von rund 70, mit Bus, Bahn und Auto angereisten Fans gefeiert wie der Meister. Sie hatten das Gespür, dass die Jungs den TSV zum drittbesten Verein der Saison 2023/24 gemacht hatten.

Und der Manager Andy Albert spürte an der Atmosphäre auf der Rückfahrt im Bus, zum vierten Mal fünf Stunden nach und von Düsseldorf, dass diese großartige Saison nicht so einfach bei Nacht und Nebel enden sollte, sondern „noch etwas Großes stattfinden könnte“: Das Sport-Historische auf dem historischen Marktplatz vor dem historischen Schlundhaus feiern. Und so griff er zum Smartphone, klickte die Gruppe „Fans und Partner“ an und lud kurzerhand per Whatsapp-Nachricht und Video von der Stimmung im Bus alle daheim Gebliebenen ein, den Bus aus Düsseldorf um 22 Uhr zu empfangen.

Wie auf Bestellung strömten ab Viertel vor zehn Fans jeden Alters von den Gassen und Ausfallstraßen ins Zentrum des Städtchens: Viele von ihnen hatten das neongelbe „Yes we KÖN“-T-Shirt oder das orangene der Ping-Pong-Ultras übergestreift. Zunächst herrschte noch Bettruhe-Lautstärke vor dem Schlundhaus. Aber mit dem Glockenschlag vom Rathaus Punkt 22 Uhr war von der Hindeburgstraße kommend ein lautes, euphorisierendes Hupen zu hören. Das musste ein Bus sein, der Bus mit der „SG Spieler und Fans.“ Der bog wahrlich am Rathaus ab, am Schlundhaus ein, wo die rund 70 oder 80 Tischtennis-Freunde links und rechts Spalier bildeten und die La Ola, die Welle, machten.

Dann kamen „die Düsseldorfer“ heraus, und es vermischten sich deren Schlachtrufe und die des Empfangskomitees. „Hier, regiert, der TSV“ wurde skandiert, wenn auch „Deutscher Meister wird nur der TSV“ nicht mehr im Repertoire war. Aber „Ihr seid nur ein Karneval-Verein“, so wie sie in Düsseldorf in die ARAG-Arena eingezogen waren. Unter den Reisenden war auch Christian Fischer, der Chef des Schlundhauses, der trotz Betriebsurlaubs von unterwegs die zwei Service-Kräfte Beate und Julia organisiert hatte, die den rund 150 Feiernden diverse Kaltgetränke kostenlos servierten.

Filip Zeljko berichtete, dass er am Montagmorgen mit dem Auto zurück nach Kroatien fährt, dort zwei Turniere zur Vorbereitung auf Olympia in Paris bestreitet. Dass Martin Allegro sogar nach Buenos Aires fliegt, um sich noch zu qualifizieren. Während es die Team-Senioren Jin Ueda und Bastian Steger etwas langsamer angehen lassen und zunächst in Kroatien urlauben. Alles wurde von einem Kamerateam des BR gefilmt, Interviews mit Sportlern, Fans, dem Bürgermeister Thomas Helbling und dem Landrat Thomas Habermann geführt, was am Montag um halb sechs in der Frankenschau in einem Zusammenschnitt zu sehen war.

Und das Besondere an diesem vormitternächtlichen Event: „So sehen Sieger aus“, wurden die Verlierer von Düsseldorf gefeiert. Und das ganze in einer Freude und Friedfertigkeit, dass es drumherum am Marktplatz so ruhig und protestfrei verlief, als ob alles schon tief schlafen würde.

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