Beitragsbild: Philipp Wohlfart: Startet gerade so richtig durch: Andre Bertelsmeier
Interview mit Andre Bertelsmeier – unserem shooting Star 2026
Andre Bertelsmeier gehört zu den spannendsten jungen Spielern (* 25.10.2005) im europäischen Tischtennis und hat im vergangenen Jahr sein erstes Erstligajahr gespielt. Der gebürtige Westfale wechselte zur Saison 2025/26 vom 1. FC Köln aus der 2. Bundesliga zum TSV Bad Königshofen in dieTischtennis Bundesliga (TTBL).
Er erreichte eine Bilanz von 5:12. Nach seinem Premierensieg gleich im ersten Spiel gegen den unangenehmen Materialspieler Luka Mladenovic aus Luxemburg setzte es erst einmal 4 Niederlagen in Folge gegen absolute Weltklassespieler: Fan Zhendong, Patrick Franziska, Dang Qiu und Dima Ovtcharov. Wenn man bedenkt, dass sich im Laufe der Saison weitere Niederlagen u.a. gegen Bene Duda, Kanak Jha oder auch zweimal gegen den Vizeweltmeister von 2019 und Doppelweltmeister von 2022 Mattias Karlsson dazu gesellten, rückt die Bilanz von 5:12 in ein deutlich positiveres Licht.
Im Juni wurde Andre U21-Europameister – sowohl im Einzel als auch im Doppel (s. gesonderter Bericht) und bestätigte damit seine Rolle als eines der größten Talente Europas. Bei den Deutschen Meisterschaften im Juni in Erfurt erreichte er mit einem Sieg über Dimitrij Ovtcharov das Halbfinale und holte Bronze. Im Doppel gewann er sogar den Titel an der Seite seines langjährigen Partners und Freundes Wim Verdonschot.
Der Lauf ging weiter: Einen großen Sprung in der Weltrangliste gelang Andre beim US Smash in Los Angeles Anfang Juli. Nachdem er sich über drei Spiele in der Qualifikation bei diesem überragend besetzten Turnier der ersten Kategorie (24 der weltweit besten 25 Spieler waren am Start) eine der 8 freien Plätze fürs Hauptfeld erkämpft hatte, scheiterte er dort erst äußerst unglücklich in der zweiten Runde am neuen WeltranglistenzweitenTruls Moregard mit 9:11 im Entscheidungssatz. Dabei hatte er sogar 9:7 geführt. Mehr dazu im gesonderten Bericht.
Das Interview führte Jürgen Halbig
Andre, deine erste Saison im Team liegt hinter dir. Wie fällt dein persönliches Fazit aus?
Meine erste Saison war von vielen wichtigen Erfahrungen geprägt, ich habe viel gelernt und mein Spiel dadurch auf ein neues Level bringen können.
Du hast im Laufe der Saison viele enge Spiele bestritten. Bei den Nationalen Deutschen Meisterschaften hast Du im Viertelfinale gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Dimitrij Ovtcharov im Entscheidungssatz einen 5:10-Rückstand noch gedreht und mit 12:10 gewonnen. Auch im Doppel mit Deinem Partner Wim Verdonschot ist Dir Ähnliches bereits mehrfach gelungen. Siehst Du Dich selbst als Spieler mit außergewöhnlicher mentaler Stärke – ein „Mentalmonster“ –, oder gleicht sich das über die Zeit wieder aus, etwa im Hinblick auf Niederlagen wie das Halbfinale bei den Deutschen Meisterschaften gegen Patrick Franziska, das Du im Entscheidungssatz mit 12:14 verloren hast?
Meine Mentalität in solchen Spielen ist es einfach von Punkt zu Punkt zu denken und nicht über Verlieren oder Gewinnen nachzudenken. Dadurch bleibe ich immer an dem Gegner dran egal wie es steht und erzwinge dadurch teilweise auch Comebacks.
Gab es in der Saison einen Sieg oder ein Spiel, das für dich persönlich besonders herausgestochen ist?
Bei meinem ersten Heimspiel gegen Saarbrücken bei dem ich gegen Franz und Fan gespielt habe, wurde mir erstmals aufgezeigt wie hoch das Niveau in der Liga doch ist und dass ich mich erstmal an diese Wettkampfhärte gewöhnen muss.
Unterlag nur hauchdünn im Heimspiel gegen Fan Zhendong: Andre Bertelsmeier
Wie hast du die Atmosphäre bei Heimspielen erlebt – und wie wichtig ist dir die Unterstützung von den Rängen?
Die Unterstützung in Königshofen ist Weltklasse. Die Fans geben einem immer nochmal extra Energie im Spiel und es macht einfach Spaß vor so einer Kulisse zu spielen.
Du bist noch am Anfang deiner Bundesliga-Karriere. Die Erwartungen an Dich steigen natürlich, insbesondere hinsichtlich der Erfolge auf internationaler Ebene. Wie gehst du mit diesen Erwartungen von außen um?
Ich würde sagen, dass mich die Erwartungen nicht großartig beeinflussen da ich eher auf kurzfristige Ziele schaue und versuche einfach besser zu werden.
Deine Bilanz in der TTBL ist eingangs bereits näher beleuchtet worden. Auch Dang Qiu spielte in seiner Premierensaison 2017 übrigens mit 4:11 eine ähnliche Bilanz. Was kann Tischtennis-Deutschland also von Dir in den nächsten Jahren erwarten? Wo siehst du deine größten Entwicklungsschritte in den nächsten ein bis zwei Jahren?
Ich glaube, dass ich bereits auf einem guten Weg bin und mich stetig verbessere. Natürlich versuche ich jeden Tag das Maximale aus mir rauszuholen und dann in den nächsten Jahren weiter in der Weltrangliste aufzusteigen und auch in der Bundesliga besser zu performen, um dem Team noch mehr zu helfen.
Du bist im vergangenen Jahr vom 1. FC Köln nach Bad Königshofen gewechselt – wie groß war dieser Schritt gefühlt für Dich. Wie groß ist der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga? Was sind die drei gravierendsten Unterschiede?
Der Unterschied ist sehr groß. Das System ist anders, es wird nur an einem Tisch gespielt, aber der größte Unterschied ist natürlich das Niveau. Man spielt hautsächlich gegen Leute aus der Weltspitze. An diese Wettkampfhärte muss man sich natürlich erst gewöhnen.
Woran arbeitest du aktuell im Training am intensivsten? An Deinen Stärken oder an deinen Schwächen?
Aktuell versuche ich noch ein paar Schwächen geringer zu machen um das Spielsystem noch kompletter zu machen. Aber natürlich arbeite ich auch weiter an meinen Stärken um die weiter auszubauen.
Du bist aktueller U21-Europameister im Doppel und Einzel – welchen Stellenwert hat das Doppel heute für dich im Verein? Doppel ist ja international im Mannschaftssport nicht so verbreitet.
Das Doppel hat schon immer eine große Bedeutung, weil viele Spiele dadurch in der Bundesliga oder auch bei Olympia entschieden werden. Es freut mich immer sehr, wenn ich auch im Doppel performen kann.
Wenn man dich abseits der Halle trifft – wie würdest du dich selbst beschreiben?
Außerhalb der Halle laufe ich immer noch viel in Tischtennis Kleidung rum. Ansonsten versuche ich viel meine Familie und Freunde zu besuchen.
Gibt es Rituale oder Routinen vor einem Spiel?
Ich habe nicht wirklich Rituale, aber ich versuche mich immer gut einzuspielen und höre eigentlich immer Musik vor dem Spiel
Was motiviert dich jeden Tag, Tischtennis auf diesem Niveau zu spielen?
Ich will einfach jeden Tag mein Bestes geben und besser werden. Aber auch der Sport an sich bereitet mir sehr viel Freude, deswegen übe ich diesen auch jeden Tag aus.
Der TSV Bad Königshofen freut sich auf dein 2. Jahr in unserem Trikot. Für die Saison 26/27 wünschen wir dir für die Runde, aber auch für deine internationalen Auftritte viel Glück und Erfolg.
Andre spielte sich im ersten Jahr bereits in die Herzen unserer großen und kleinen Fans

