In der Vorrunde ein Bild mit Seltenheitswert: Zu oft jubelten unsere Gegner

TTBL

Die Vorrunde aus unserer TSV-Brille

Der personelle Umbruch vor der Saison war für uns als TSV Bad Königshofen deutlich spürbar. Mit Jin Ueda und Martin Allegro verließen zwei prägende Spieler unseren Verein, mit Andre Bertelsmeier und Daniel Habesohn kamen zwei neue Akteure hinzu. Dass eine solche Veränderung Zeit benötigt, zeigte sich bereits im ersten Saisonspiel und zog sich wie ein roter Faden durch unsere gesamte Vorrunde.

Das Auftaktspiel in Grenzau war dabei sinnbildlich für viele unserer Begegnungen. Bastian Steger führte gegen Walker bereits mit 2:1 Sätzen, hatte ab 10:10 insgesamt sieben Matchbälle, verlor diesen Satz jedoch mit dem seltenen Ergebnis von 21:23 und anschließend auch das gesamte Spiel noch mit 2:3 Sätzen. Genau solche Situationen prägten unsere Vorrunde: In den entscheidenden Phasen brachten wir häufig nicht unser bestes Tischtennis an den Tisch.

Die Zahlen untermauern diesen Eindruck deutlich. Von insgesamt 14 Entscheidungssätzen konnten wir lediglich 5 für uns entscheiden. Noch aussagekräftiger ist die Bilanz bei Sätzen, die über die Verlängerung, also über den Stand von 10:10 gingen: Hier steht bei 35 Sätzen ein Verhältnis von 12:23 aus unserer Sicht zu Buche. Diese Statistik zeigt klar, dass mehr möglich gewesen wäre – und dass wir in der Rückrunde genau dort ansetzen müssen.

Aktuell ist noch nicht abschließend geklärt, ob und wie viele Teams aus der 2. Bundesliga den Schritt ins Oberhaus wagen werden. Aus heutiger Sicht ist mindestens Platz 10 notwendig, um Planungssicherheit zu haben. Der Rückstand von vier Punkten stellt dabei eine schwere Hypothek dar – und realistisch betrachtet nur deshalb noch aufholbar, weil wir mit Xue Fei für die Rückrunde einen Weltklassespieler aus China verpflichten konnten.

Mut machen uns zudem die beiden souveränen 3:0-Auswärtssiege in Grünwettersbach und in Bergneustadt. Diese Spiele haben eindrucksvoll gezeigt, dass wir als TSV, wenn alle drei Spieler ihre Leistungsfähigkeit konstant abrufen, mit vielen Teams der Liga auf Augenhöhe agieren können. Aber auch aus der unglücklichen 2:3 Niederlage am letzten Vorrundenspieltag gegen Borussia Dortmund (mit Siegen von Basti gegen Anders Lind und Kristian Karlsson) sollten wir Mut schöpfen. In jedem Fall wird es wieder einmal Zeit für einen Heimsieg. Unser TSV ist nach der Vorrunde der einzige Verein der ttbl, dem das noch nicht gelungen ist. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Samstag, 17. Januar um 15:00 Uhr im so wichtigen (Vier-Punkte) Spiel gegen Grenzau.

Abseits der sportlichen Ergebnisse gibt es für uns dagegen Positives zu vermelden. Die Zuschauerzahlen konnten wir erneut minimal steigern: Nach durchschnittlich 609 Zuschauern in der vergangenen, äußerst erfolgreichen Saison kamen wir nach der Vorrunde auf einen Schnitt von 616 Besuchern. Mit unser Verstärkung Xue Fei in der Rückrunde ist es durchaus denkbar, dass wir diesen Wert in der Rückrunde noch ein wenig nach oben schrauben können.

Extrem positiv auch die Entwicklung in den sozialen Medien. Hier spielen wir was Clickraten und Follower in YouTube, Facebook, Instagram und allen voran im chinesischen Weibo angeht mit über 100.000 Followern mittlerweile „Championsleague“ im Vergleich mit den meisten anderen ttbl-Teams.

Der globale Rückblick auf die TTBL – Trends, Zahlen und Entwicklungen

Die Saison 2025/26 ist eine historische: Nach 29 Jahren fand erstmals eine Bundesliga-Spielzeit ohne Timo Boll statt. Sein Karriereende hinterließ zunächst einige Fragezeichen bei den Verantwortlichen der Tischtennis Bundesliga – vor allem hinsichtlich der Attraktivität der Liga ohne ihr langjähriges Aushängeschild. Verstärkt wurde diese Sorge durch die Abgänge weiterer Stars wie Hugo Calderano und Simon Gauzy.

Die Sorge war unbegründet, denn qualitativ rüsteten die Vereine der ttbl weiter auf. Die Liga präsentiert sich derzeit so stark und so attraktiv wie noch nie. Vor allem die Verpflichtung von Olympiasieger und Weltmeister Fan Zhendong durch den 1. FC Saarbrücken kompensierte den Verlust einiger prominenter Namen und sorgte für enormen medialen und sportlichen Rückenwind. Hinzu kamen weitere hochkarätige Transfers wie der Wechsel des Doppel-Weltmeisters Shinozuka nach Grünwettersbach (sein WM-Partner Togami spielte bereits zuvor in Ochsenhausen) oder die Verstärkung Fuldas, das seinen ohnehin starken Kader um Dimitrij Ovtcharov und Kao Cheng-Jui mit dem Dänen Jonathan Groth ergänzte.

Das Ergebnis dieser Entwicklung ist bemerkenswert: Die Zuschauerzahlen konnten bundesweit erneut gesteigert werden. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert Champions-League-Sieger Saarbrücken. Von durchschnittlich 257 Zuschauern in der Saison 2022/23 über 402 im vergangenen Jahr steigerten sie sich in der laufenden Spielzeit bereits in der Vorrunde auf einen Schnitt von 1.865 Besuchern je Spiel – eine Zahl, die in absoluten Zahlen mit 9.480 Zuschauern bereits nach der Vorrunde fast dem Doppelten der gesamten Vorsaison bei den Saarländern entspricht. Auch das Final Four am 04.01. in Neu-Ulm setzte erneut Massstäbe für unseren Sport. 5.200 Zuschauer in der restlos ausverkauften ratiopharm-Arena in Neu-Ulm sahen hier den neuen Pokalsieger 1. FC Saarbrücken mit den Superstars Fan Zhendong, Patrick Franziska und Darko Jorgic im Finale gegen TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell um Dima Ovtcharov.

Auch sportlich lassen sich interessante Trends erkennen. Auffällig war in der Vorrunde die geringe Anzahl an Doppelentscheidungen. Ligaweit kam es in der Vorrunde lediglich 12-mal zu einem entscheidenden Doppel, bei uns sogar nur einmal – am letzten Vorrundenspieltag gegen Dortmund. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison wurden insgesamt 47 Begegnungen im Doppel entschieden (23 in der Vorrunde, 24 in der Rückrunde), allein unser TSV stand dabei am Ende der Saison elfmal im Doppel. Rechnet man bei uns noch das Playoff-Halbfinale in Düsseldorf dazu sogar 12 mal.

Ein Blick auf die eingesetzten Spieler rundet das Bild ab. In allen elf Vorrundenspielen kamen lediglich zwei Akteure immer zu einem Einsatz am Tisch: Gerassimenko und Falck – beide bezeichnenderweise vom Überraschungsherbstmeister Werder Bremen. Hier macht sich positiv bemerkbar, dass sich alle Spieler zunächst auf die Bundesliga fokussieren. Auf mindestens zehn Einsätze brachten es mit Källberg, Duda, Ruiz, Ovtcharov, Shinozuka und unserem Bastian Steger immerhin sechs weitere Spieler.

Fazit: Tischtennis boomt mehr denn je – und die Bundesliga präsentiert sich trotz (oder gerade wegen) des Umbruchs attraktiver, ausgeglichener und stärker als zuvor. Freuen wir uns auf den Rückrundenstart.

  1. Spiel: Auswärts: Werder Bremen  –  TSV Bad Königshofen         am Dienstag 13.01.  19:00 Uhr
  2. Spiel:  Heim:      TSV Bad Königshofen  –  Zugbrücke Grenzau  am Samstag 17.01. 15:00 Uhr
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