Beitragsbild: Bastian Steger, Man of the match mit Siegen über Karlsson und Lind. dennoch jubelte am Ende Dortmund (Bild Philipp Wohlfart)
2:3-Niederlage gegen den BVB
Am Ende lügen die Zahlen nicht. Bei einem Satzverhältnis von 11:11 hatte Borussia Dortmund bei den gespielten Bällen eine hauchdünne Oberhand: Von insgesamt 417 Ballwechseln gingen 212 an den BVB, 205 an den TSV. Und dennoch waren sich alle einig, die diesen vierstündigen Krimi in der shakehandsArena verfolgt hatten: Für solche Spiele müsste eigentlich ein Unentschieden erfunden werden. Es war zu jeder Zeit ein hochklassiges Duell mit spektakulären Ballwechseln, die immer wieder zu Standing Ovations führten.
Personelle Ausgangslage
Der TSV musste mit lediglich drei Akteuren antreten, da André Bertelsmeier aufgrund eines DTTB-Lehrgangs in Südkorea fehlte. Die Mannschaftsaufstellung ergab sich somit nahezu von selbst. Coach Koji Itagaki setzte auch bei der Reihenfolge auf die gleiche Formation wie drei Tage zuvor beim überraschenden 3:0-Erfolg in Bergneustadt.
Dortmunds Trainer Evgenij Fadeev konnte dagegen zum erst vierten Mal in dieser Saison beide Topstars – Kristian Karlsson und Anders Lind – gleichzeitig aufbieten. Mit Szudi, Nuytinck und Bottrof war zudem der komplette Kader im Grabfeld vertreten. Auf Position drei vertraute der BVB-Coach dem Ungarn Adam Szudi.
Selbstbewusster TSV von Beginn an
Von der ersten Minute an wurde deutlich: Das ist ein anderer TSV. Der Erfolg in Bergneustadt hatte sichtbar Selbstvertrauen freigesetzt. Die Mannschaft trat mutig, aggressiv und spielstark auf – sehr zum Gefallen der Zuschauer.
Steger ringt Karlsson nieder
Als Erster bekam dies Doppelweltmeister Kristian Karlsson zu spüren, der auf Bastian Steger traf. Karlsson (Saisonbilanz zuvor 7:3) und Steger (5:4) lieferten sich ein Duell auf absolutem Topniveau. Allein der Punkt zum 1:0 im Entscheidungssatz von Steger war das Eintrittsgeld wert. Vier der fünf Sätze wurden mit nur zwei Bällen Unterschied entschieden, lediglich der dritte Durchgang ging mit 11:4 klar an Steger.
Im fünften Satz schien zunächst alles gegen den TSV zu laufen. Beim Stand von 9:9 hatte Karlsson Aufschlag und setzte den Ball longline unerreichbar auf die Kante – Matchball für den BVB. Steger wehrte diesen ab, blieb nervenstark und nutzte seinen zweiten eigenen Matchball zur umjubelten 1:0-Führung für den TSV.
Habesohn fordert Lind bis zum Schluss
Im zweiten Einzel ging Daniel Habesohn mit viel Rückenwind in die Partie gegen den Weltranglistensechzehnten Anders Lind. Noch am Mittwoch hatte Habesohn in Bergneustadt den Weltranglistenzwölften Duda besiegt und damit den Grundstein für den Mannschaftssieg gelegt. Dennoch war Lind mit seiner bislang makellosen Bilanz von 7:0 Spielen klarer Favorit.
Beide Akteure waren sofort auf Betriebstemperatur und rissen das Publikum mit. Erstmals in dieser Saison musste Lind zwei Sätze in einem Einzel abgeben. Habesohn führte sogar mit 2:1 nach Sätzen, konnte den Vorsprung jedoch nicht ins Ziel bringen. Im Entscheidungssatz lag er beim Seitenwechsel noch mit 5:3 vorne, unterlag am Ende aber knapp mit 8:11. Damit glich der BVB zum 1:1 aus.
Szudi stoppt Zeljko
Nach der Pause sollte Filip Zeljko (Bilanz 2:7) den TSV gegen Adam Szudi (2:5) wieder in Führung bringen. Der Knackpunkt aus Sicht des Kroaten war der dritte Satz: Nach starker Aufholjagd führte Zeljko mit 10:9 und hatte die große Chance auf die 2:1-Satzführung. Diese Möglichkeit blieb ungenutzt – ein Bruch im Spiel. Zeljko fand danach nicht mehr richtig zurück in die Partie und unterlag schließlich in vier Sätzen.
Steger im Rausch gegen Lind
Im Spitzeneinzel zeigte Bastian Steger dann eine herausragende Leistung gegen den bis dahin ungeschlagenen Anders Lind. Nach einem knapp gewonnenen ersten Satz spielte sich Steger in einen regelrechten Rausch und gewann das einzige klare Match des Tages souverän mit 3:0 Sätzen.
Dramatisches Doppel entscheidet die Partie
Erstmals in dieser Saison musste die Entscheidung im Doppel fallen. Beide Paarungen standen dabei zum ersten Mal gemeinsam am Tisch. Auf TSV-Seite spielte mit Daniel Habesohn ein ehemaliger Doppel-Europameister, auf Dortmunder Seite mit Kristian Karlsson sogar ein ehemaliger Doppel-Weltmeister. Einen kleinen Vorteil hatten die Gäste durch ihre Rechts-Links-Kombination.
Nach 11:9 und 11:5 führten die Dortmunder scheinbar sicher mit 2:0 Sätzen und lagen im dritten Durchgang bereits mit 7:3 vorne. Der Drops schien gelutscht. Doch das neu formierte TSV-Doppel kämpfte sich beeindruckend zurück, holte sich das Momentum und glich mit 11:9 und 11:8 zum 2:2 aus.
Alles sprach nun für den TSV – bis die Dortmunder im Entscheidungssatz noch einmal zulegten und aus einem 1:2 ein 10:2 machten. Mit 11:5 sicherten sie sich schließlich den Sieg und damit den 3:2-Erfolg für den BVB.
Das Spiel im Stenogramm
Bastian Steger – Kristian Karlsson 3:2
(11:13, 11:9, 11:4, 10:12, 13:11)
Daniel Habesohn – Anders Lind 2:3
(11:7, 6:11, 11:7, 5:11, 8:11)
Filip Zeljko – Adam Szudi 1:3
(5:11, 11:6, 10:12, 4:11)
Bastian Steger – Anders Lind 3:0
(15:13, 11:8, 11:5)
Zeljko/Habesohn – Karlsson/Szudi 2:3
(9:11, 5:11, 11:9, 11:8, 5:11)
Statements nach dem Spiel:
Kristian Karlsson: Ein unfassbar wichtiger Auswärtssieg. Ein großer Krimi hier in Bad Königshofen. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Basti war unfassbar stark heute. Ich habe wirklich gut gespielt, habe ein super Einzel gespielt und trotzdem verloren. Kompliment an Basti. Im Doppel haben wir einen großen Vorteil durch rechts-links-Händer gehabt. Bad Königshofen ist vielleicht das schönste Auswärtsspiel für mich, super Stimmung, ich liebe es hier zu spielen.
Bastian Steger: Wenn du nach vier Stunden Spielzeit mit leeren Händen dastehst, ist es natürlich enttäuschend. Von der Leistung haben wir alle ziemlich gut gespielt. Dortmund ist eine brutal gute Mannschaft und da haben wir uns teuer verkauft heute. Wir werden über Weihnachten Kräfte sammeln und dann in der Rückrunde voll angreifen, auch mit Xue Fei, der einige Spiele machen wird. Gegen Kristian Karlsson: wir haben schon oft gegeneinander gespielt, man kennt sich gut, trainieren auch in Düsseldorf des öfteren zusammen. Es war auf des Messers Schneide mit dem glücklicheren Ende auf meiner Seite und hat mir auch Selbstbewußtesein für das Spiel gegen Lind gegeben, der in einer überragenden Form ist. Da war ich auch überrascht, dass es so gut gelaufen ist.

