Glücklich und verdient fast schon durch

Der TSV Bad Königshofen gewann nach Düsseldorf auch das zweite Spitzenspiel in Grenzau mit 3:2 und braucht, wenn überhaupt, noch einen Sieg.

Bad Königshofen  Der Grat zwischen „glücklich“ oder „verdient“ ist beim Tischtennis besonders schmal. Mehr als in manch anderen Sportarten, besonders wenn die Stoppuhr entscheidet. Und Ansichtssache zudem. Der Sieg des TSV Bad Königshofen, Tabellendritter der TTBL und heißester Anwärter auf das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, beim Vierten TTC Zugbrücke Grenzau war vielmehr „glücklich und verdient.“ 3:2 Spiele, 10:10 Sätze, 189:194 Bälle: Enger geht nicht. Schon deshalb, weil zwei der fünf Spiele auf der Kippe hin und her wippten und von Königshöfern gewonnen wurden.

Verdient auf jeden Fall wegen der Teamleistung des TSV, weil bei den Westerwäldern nur der überragende Yi-Hsin Feng beide Einzel, sonst keiner etwas gewann. Diesem Taiwanesen an Eins, mit nunmehr 19:7-Bilanz, war auch Filip Zeljko als Zweier mehr oder weniger „geopfert“ worden. Er unterlag nach hartem Hin und Her mit 9:11/8:11/6:11 – verdient. Und wenn sich die 50 TSV-Fan-Bus-Insassen, eh eine Einzelerscheinung in dieser Bundesliga, unterstützend noch so ins Zeug legten. Der „Speedking“ aus Kroatien hatte nichts wirklich gefunden, wie er Feng, besonders zum Satz-Ende hin, hätte aufhalten können. Man musste damit rechnen: Einkalkulierter 0:1-Rückstand.

Einkalkuliert war aber auch ein Sieg von Jin Ueda gegen den Engländer Sam Walker. Eigentlich stand er auch nie in Frage, war klarer als der von Feng. Nur einmal erschraken die 50 und der ganze TSV-Staff, als bei 5:5 im ersten Satz Jin die schwarze Rückenorthese unter dem blauen Trikot hervor auf den Boden fiel. Es blieb der einzige Moment, in dem auch er nicht unverwundbar schien.  Dann aber nutzte er total solide den Klassenunterschied mit 11:5/11:6/12:10, glich zum 1:1 aus.

Gegen den halb so alten, tags zuvor polnischer Vizemeister gewordenen Maciej Kubik (21) holte der TSV-Protagonist Bastian Steger die 2:1-Führung. Was sich leichter anhört als es war. „Basti fantasti“, wie es bei seinem Abgang frenetisch aus dem TSV-Fan-Block tönte, hätte nämlich ums Haar zum ersten Mal als Königshöfer drei Einzel hintereinander (nach den beiden von Düsseldorf) verloren. Dabei war es ein Spiel, das er eigentlich schon gewonnen, dann beinahe verloren hatte und dann doch noch mit 12:10 im fünften Satz für sich entschied. Im zweiten Satz vergab er bei 10:7 drei Satzbälle zum 10:12, im vierten einen Matchball bei 10:9. Im fünften war er bei 8:10 fast schon weg vom Fenster, wehrte zwei Matchbälle ab und gewann seinen ersten – 2:1 für „Immer-wieder-TSV.“ Damit hatte „Basti“ seinen Heldenstatus in Bad Königshofen zementiert und verlängert.

Das folgende Einserduell war zugleich das Asiaten-Duell von Yi-Hsin Feng und Jin Ueda, die sich von vielen gemeinsamen Trainingseinheiten im Grenzauer TT-Leistungszentrum her bestens kennen. Die Tür zu den Play-offs stand offen. Man musste „nur“ noch hindurch gehen. Entweder Ueda jetzt oder das Doppel danach. Ueda war aber nur im ersten Satz (11:6) der Bessere. Dann hatte der Taiwanese des Japaners Unterschied vom Trainings- zum Wettkampf-Modus analysiert, zog ihm den Zahn und glich für die Brexbachtaler zum 2:2 aus.

Also doch wieder Entscheidung im Schlussdoppel: Diese Runde die große Stärke des TSV, mitverantwortlich für die beste Saison in der Vereinsgeschichte. Nicht möglich war allerdings die Nominierung des Erfolgsdoppels von Düsseldorf Ueda/Allegro, weil Ueda, als Einser aufgeboten, seine zwei Einsätze schon hinter sich hatte. Aber auch Steger/Allegro waren große Chancen einzuräumen. Dass sie sich aber fünf Sätze lang gegen Kubik/Walker, die wahrscheinlich stärksten Doppelgegner dieser Saison, so schinden mussten, war denn doch überraschend.

In der, wie sich herausstellte, besseren Gegenüber-Konstellation des ersten Satzes war es schon schwer genug – und glücklich. Erst vier Satzbälle abgewehrt, dann den ersten eigenen zum 14:12 verwandelt. Im zweiten Satz (4:11) chancenlos. Im dritten, in der Erfolgskonstellation, erst den vierten Satzball (11:9) verwandelt. Im vierten drei Satzbälle bei 7:10 abgewehrt, dann doch 9:11 unterlegen. Und im fünften von 3:7 auf 10:7 davon gezogen und mit 11:8 den Satz, das Match und das Spiel gewonnen – glücklich und verdient – nach 3:35 Stunden. Und wahrscheinlich die Play-offs erreicht. Wozu maximal, wenn überhaupt, noch ein Sieg aus den letzten zwei Begegnungen gegen Mühlhausen und Mainz nötig ist. „Das Spiel heute hat alles geboten und war hoch dramatisch“, atmete Steger hinterher tief durch. „Man ist manchmal zwischendurch ratlos, darf halt nie aufgeben. Danke an die Fans“- Beben in der Halle – „ihr hattet einen großen Anteil.“

TTC Grenzau – TSV Bad Königshofen 2:3

Feng – Zeljko 3:0 (11:9/11:8/11:6)

Walker – Ueda 0:3 (5:11/6:11/10:12)

Kubik – Steger 2:3 (9:11/12:10/6:11/13:11/10:12)

Feng – Ueda 3:1 (6:11/11:3/11:9/11:5)

Kubik/Walker – Steger/Allegro 2:3 (12:14/11:4/9:11/11:9/8:11)

Zuschauerzahl: 450

 

 

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