Interview mit Daniel Habesohn
Daniel Habesohn zählt seit vielen Jahren zu den prägenden Gesichtern der Tischtennis-Bundesliga. Der Österreicher, der von 2016 bis 2025 neun Jahre bei unserem Ligakonkurrenten Post SV Mühlhausen in Thüringen spielte, ist im vergangenen Jahr zum TSV Bad Königshofen gewechselt. Er ist verheiratet und Vater von 2 Kindern.
International feierte Habesohn unter anderem große Erfolge im Doppel, darunter den Europameistertitel, und nahm mehrfach an Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen teil. Im Mai dieses Jahres beendete er bei den Team-Weltmeisterschaften seine internationale Karriere. Mit Österreich scheiterte er im Achtelfinale an Südkorea. Sein letztes Spiel im Nationaltrikot bestritt er gegen Jang Woojin, die damalige Nummer 10 der Weltrangliste.
Daniel Habesohn, mit seiner Emotionalität und seinem Kampfgeist eine Bereicherung für den TSV

Daniel mit den Chef der Ping Pong Ultras Josef Weber
Das nachfolgende Interview führte Jürgen Halbig
Daniel, deine erste Saison in Bad Königshofen liegt hinter dir. Wie fällt dein persönliches Fazit aus?
Es ist nicht optimal gelaufen, weder für mich noch für die Mannschaft. Das Positive vorweg: Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden beim TSV. Das hat mich sehr gefreut. Ich wußte, dass Bad Königshofen ein sehr netter und familiärer Verein ist und das hat sich auch bestätigt. Die Tabellensituation war stressig. Meine eigene Bilanz hätte ich mir besser gewünscht. Viele knappe Spiele verloren. Ich blicke aber mit Zuversicht in die neue Saison. es wird wieder knallhart, gar keine Frage. Aber ich setze darauf , dass sowohl ich mich als auch die Mannschaft sich besser präsentieren kann.
Mit einer Bilanz von 6:11 war die Saison sicherlich nicht ganz so erfolgreich, wie du es dir erhofft hattest. Verantwortlich dafür und besonders ärgerlich waren einige knappe Fünfsatzniederlagen gegen Kirill Gerassimenko, Shunsuke Togami, Anders Lind oder Martin Allegro. Beschäftigen dich solche Spiele noch lange oder kannst du sie schnell abhaken?
Klar mit dieser Bilanz kann ich nicht zufrieden sein. Wie bereits gesagt, einige Spiele nicht nur knapp verloren, sondern teils auch mit Führungen aus der Hand gegeben. Hat vielleicht damit zu tun, dass ich in den wichtigen Momenten falsche Entscheidungen getroffen habe. Ich kann dies mittlerweile relativ schnell abhaken. es ist nicht mehr so wie früher, dass man da nächtelang darüber nachdenkt. Klar analysiert man die Spiele danach, aber ich bin ja mittlerweile schon etwas länger im Geschäft und weiß damit umzugehen und lasse mir die Laune davon nicht verderben.
Einer deiner wichtigsten Erfolge war sicherlich der Sieg gegen Benedikt Duda in Bergneustadt. War das für dich persönlich einer der emotionalsten Momente der vergangenen Saison?
Gegen Bene war schon einwichtiger Sieg. Wir haben schon oft gegeneinander gespielt. Was aber eigentlich entscheidend war und worüber ich mich mehr gefreut habe als über meinen Erfolg direkt, dass war dass wir als Mannschaft gewonnen haben und so ein bißchen den Fuß aus dem Quark herausbekommen haben und Vertrauen geschöpft haben. Und klar ein Sieg wie gegen den Bene gibt natürlich auch mir Selbstvertrauen
Du hast dich mit deiner emotionalen und spektakulären Spielweise schnell in die Herzen der Bad Königshöfer Fans gespielt. Wie hast du die Unterstützung von den Rängen erlebt?
Die Unterstützung in Bad Königshofen ist natürlich toll. Nicht nur dass immer sehr viele Leute da sind, alle sehr locker sind und auch ein guter Kontakt zu den Sponsoren vorhanden ist. Die Ultras sind natürlich auch ein großer Teil, weil die einfach immer Stimmung machen und das auch auswärts, selbst wenn sie da ein paar weniger sind. Es war sehr cool zu spielen, die Leute auf der eigenen Seite zu wissen, weil es halt laut ist, weil eine Bindung da ist und sie dich antreiben und dir helfen das Maximum herauszuholen.
Du bist auf und neben der Platte ein sehr authentischer Typ. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu den Fans?
Ich bin prinzipiell ein sehr offener und ehrlicher Mensch. Mir macht es Spaß, wenn es so eine Gemeinschaft ist. Mir macht es auch Spass und es motiviert mich ungemein, dass man spürt, wenn man in die Halle kommt, wie sehr alle an einem Strang ziehen. Ich habe schon immer gern mit den Leuten gesprochen und mich ausgetauscht. Genau das geniesse ich hier in Bad Königshofen insbesondere auch nach den Heimspielen. Habe hier sehr viele nette Menschen kennengelernt.
Du kommst aus Wien und hast neun Jahre in Mühlhausen gespielt. Bei unserem Auswärtsspiel in Mühlhausen haben wir gesehen, wie beliebt du dort noch bist, wie du als Gastspieler gefeiert wurdest. Wie wohl fühlst du dich inzwischen in Bad Königshofen?
Ich muss sagen, ich habe mich relativ schnell in Königshofen wohlgefühlt. Das war von Beginn an sehr angenehm für mich und ich hoffe natürlich, dass ich noch sehr lange in Königshofen spielen werde und sich noch weitere Freundschaften entwickeln. Ich ziehe hier ein rundum positives Fazit für meine erste Saison.
Du hast jetzt die 40 Jahre voll gemacht und gehörst zu den erfahrensten Spielern der TTBL. Was motiviert dich jeden Tag, weiterhin auf höchstem Niveau zu spielen?
Prinzipiell macht mir Tischtennis natürlich Spass, weil es ein Sport ist, der so abwechslungsreich ist, aber der Hauptgrund ist natürlich, dass ich mir mit Tischtennis ein Leben aufgebaut habe, das sehr sehr schön ist. Tischtennis hat mir in meinem Leben sehr viel gegeben. End macht mir nach wie vor Spass ins Training zu gehen. Natürlich passt man da den Umfang an, nicht mehr so viel wie früher. Solange ich nicht verletzt bin, mich bewegen kann und trainieren kann (mit einem Lächeln) werde ich weiter Tischtennis spielen.
Wo trainierst Du unter der Woche und hast du dein Training oder deine Vorbereitung im Laufe der Jahre verändert?
Es gibt zwei Trainingsorte. Zum einen der Nationalteamstützpunkt in Stockerau (30 km nördlich von Wien bei Klosterneuburg). Das andere ist meine eigene Halle SpinCity in Wien (Link: spincity.at). Da haben wir(mein Bruder und ich) ein großes Projekt mit 8 Tischen aufgebaut. Da trainiere ich dann auch. Es ist immer davon abhängig, welche Trainingspartner da sind. Der Umfang ist nicht mehr so hoch wie früher. Ich trainiere einmal am Tag am Tisch etwas länger und den restlichen Tag, also das 2. Training, besteht dann eher aus physiotherapeutischen Übungen oder Fitnessübungen. Das Programm ist etwas abgespeckter, aber von der Qualität ist es doch ganz gut.
Was traust du der Mannschaft in der kommenden Saison zu?
Schwierig zu beantworten, weil die letzte Saison nicht so gut gelaufen ist und man sieht einfach wie stark die Mannschaften alle sind. Wir müssen da unsere Positionen finden. Also auch mit Doppel: wer spielt gut Doppel, wie passt das zusammen. Wichtig wird auch sein, wie die ersten Spiele so laufen. Ich hoffe, dass wir realistisch betrachtet einen Platz zwischen 8 und 10 ergattern können. Wenn es dann besser läuft ok. Aber da muss man immer vorsichtig sein und nicht zu hohe Erwartungen wecken. Zielplatz sollte 8-10 sein.
Du bist ehemaliger Europameister im Doppel. Wie groß ist für dich heute noch der Reiz, im Doppel an den Tisch zu gehen?
Doppel ist schon immer noch ein Reiz für mich. Auch wenn ich schon den zweimal EM-Titel geholt habe und 5 mal im Finale stand bei der EM und viele große Erfolge gefeiert habe, ist es nichtsdestotrotz immer wieder sportlich interessant. Da muss man viel Taktik spielen, die richtige Strategie wählen, sich mit seinem Partner abstimmen, auf ein gewisses Spielsystem einigen bzw. einlassen. Im Doppel machen Siege zudem noch mehr Spass, weil man mit einem Partner feiern kann.
Welche Eigenschaften machen für dich ein erfolgreiches Doppel aus?
Zum einen als Grundvoraussetzung: Die Spieler müssen harmonieren und sich verstehen. Zum anderen ist es natürlich ein sehr mathematisches Spiel, noch mehr Taktik als im Einzel, wissen, wie bewegt sich der Gegner, frühes antizipieren. Im Tischtennis geht es immer um Zeit und wenn man sich da seinen kleinen Vorsprung herausholt, macht das viel aus. Dazu haben gerade bei den ersten Bällen immer eine Links-Rechts-Händerkombination einen Vorteil. Aber ich habe mit Gardos bewiesen, dass es auch anders geht. Wichtig aber auch, das viel miteinander trainiert werden kann und Spielzüge einstudiert werden.
Wenn man Daniel Habesohn abseits der Tischtennishalle trifft – wie würdest du dich selbst beschreiben?
Ich bin ein sehr offener, lebensfroher Mensch, der positiv an alles herangeht, bin immer optimistisch, bin ehrgeizig, aber vor allem auch ein lustiger Typ, der für jeden Spass zu haben ist.
Gibt es Rituale oder Gewohnheiten vor einem Bundesligaspiel?
Rituale gibt es nicht mehr so wirklich. Früher hatte ich so einen Aberglaube , dass ich zuerst links den Schuh gebunden habe. Das habe ich mittlerweile nicht mehr. ich wärme mich ganz normal auf und versuche mich in das Spiel hineinzudenken.
Du bist vom Sternzeichen gerade noch Krebs. Ab dem 23.07. kommt das Sternzeichen des Löwen. Dem Krebs wird nachgesagt, dass er empathisch, grossmütig, fürsorglich, intuitiv und beschützend, aber auch launisch, überempfindlich und nachtragend ist. Der Löwe steht für selbstbewusstes und mutiges Auftreten. Er ist loyal, aber auch mit einem Hang zu Stolz und Dominanz. Was trifft mehr auf dich zu?
Das stimmt. Das habe ich mich auch schon oft gefragt, was ist denn da der Unterschied vom Krebs zum Löwen. Das ist interessant. Bei den Stärken die du gerade genannt hast, dass bis auf das großmütig vielleicht die Stärken alle zutreffen. Bei den Schwächen ist es so, dass ich eher etwas ungeduldig bin. In meinen Augen die Hauptschwäche, aber es ist immer schwierig sich zu den persönlichen Schwächen zu äußern.
Das waren alle meine Fragen. Vielen Dank, daß Du Dir die Zeit genommen hast – auch für die sehr persönlichen Einblicke. Die Komplimente bezüglich des gesamten Umfeldes bei uns gebe ich übrigens gerne zurück: Die Art und Weise, wie Du Tischtennis lebst und die Zuschauer sowohl während als auch nach dem Match mitreißt, ist großartig. Das passt einfach perfekt zu uns und unserer Vereinsphilosophie. Für Deine zweite Saison im Trikot des TSV wünschen wir Dir von Herzen viel Erfolg!

