1:3 Niederlage vor ausverkauftem Haus in Düsseldorf

TTBL

Beitragsbild: Filip nach seinem Sieg gegen Kanak Jha (Foto: Sportfoto Philipp Wohlfart)

Couragierter Auftritt vor Rekordkulisse: TSV fordert den Rekordmeister

Tolle Kulisse, tolles Spiel

Das erste Auswärtsspiel der neuen Saison bescherte unserem TSV Bad Königshofen direkt ein absolutes Highlight. Wir waren zu Gast beim Rekordmeister Borussia Düsseldorf, der dieses Spiel für ein ganz besonderes Event nutzte: Top-Star Fan Zhendong gab sein Debüt im Düsseldorf-Trikot. Wegen des riesigen Interesses zog die Partie in die Mitsubishi Electric Halle um. Vor 3.500 Zuschauern und einer Live-Übertragung, die sogar Fans in Asien und vor allem China fesselte, verkaufte sich unser Team teuer. Timo Boll als Co-Kommentator würdigte den TSV am Schluß und fasst das Spiel wie folgt zusammen: „Top waren heute Fan Zhendong und der TSV Bad Königshofen“. 

Aber gehen wir zum Beginn des Spieles: Unser TSV reiste mit einer veränderten Formation an. Daniel Habesohn fehlte im Kader, Filip Zeljko rückte für unseren Kapitän Bastian Steger überraschend in die Startaufstellung auf Position 1.

Im ersten Einzel des Tages traf unser Youngster Andre Bertelsmeier gleich auf den den amtierenden Olympiasieger von Paris Fan Zhendong. Andre zeigte keinerlei Respekt vor großen Namen, sicherte sich  den ersten Satz mit 11:9 und machte damit klar: Der TSV ist nicht nach Düsseldorf gefahren um nur die Punkte abzuliefern! Auch wenn die folgenden Sätze mit 5:11, 8:11 und 9:11 an den Favoriten gingen, war dies erneut ein extrem couragierter Auftritt von Andre gegen die lebende Legende aus China.

Andre Bertelsmeier im Spiel gegen Fan Zhendong (Foto Sportfoto Philipp Wohlfart)

Im zweiten Match traf Filip Zeljko auf Kanak Jha, der Nummer 28 der aktuellen Weltrangliste und sollte seine Nominierung schnell rechtfertigen.  Filip erwischte einen Traumstart und ging mit 11:8, 11:3 mit 2:0 Sätzen in Führung. Jha verkürzte mit einem 11:6. Im vierten Satz wurde es dann emotional: Filip monierte beim Tischschiedsrichter permanente unsportliche Zwischenrufe aus dem Publikum während seines Aufschlags. Unverständlicherweise wurde am Ende nicht der Störenfried in die Schranken gewiesen, sondern Filip für sein Reklamieren mit einer Gelben Karte bestraft.

Diese  Entscheidung schien unseren Speedking jedoch nur noch mehr zu motivieren. Er zog schnell auf 9:6 davon. Zwar vergab er bei 10:8 zunächst zwei Matchbälle, behielt in der Verlängerung aber die Nerven und tütete den Satz mit 12:10 ein. Damit glich der TSV zum verdienten 1:1-Pausenstand aus!

Nach der Pause forderte Liao Cheng-Ting den Weltranglistenelften Dang Qiu heraus. Es sollte von den Ballwechseln her das spektakulärste Spiel des Tages werden. Liao legte einen Blitzstart hin, führte schnell mit 6:1 und holte den ersten Satz mit 11:8. Auch im zweiten Durchgang lag Liao bereits mit 7:5 vorn, musste den Satz aber noch mit 8:11 abgeben. Der dritte Satz wurde zum absoluten Krimi: Nach Rückständen von 4:4 und 6:8 wehrte Liao beim 7:10 drei Satzbälle ab und drehte den Durchgang sensationell zum 12:10! Dang Qiu hatte dabei immer wieder sichtbare Probleme mit Liaos Seit-Unterschnittaufschlag.

Im vierten Satz packte der Düsseldorfer dann sein absolut bestes Tischtennis aus. Nach einem tollen Ballwechsel zog Qiu auf 7:2 davon und glich mit 11:5 nach Sätzen aus. Zu diesem Zeitpunkt war das Match an Dramatik kaum zu überbieten: Nach fast 2,5 Stunden Spielzeit stand es insgesamt 1:1 und im vermuteten vorentscheidenden dritten Einzel 2:2 nach Sätzen.

Nach spektakulären Ballwechseln zu Beginn des fünften Satzes musste sich Liao am Ende zwar mit 4:11 geschlagen geben. Das nackte Ergebnis im Entscheidungssatz klingt allerdings deutlicher, als das Spiel in der Realität war. Es war ein hochklassiges Match auf Augenhöhe, was auch Dang Qiu im anschließenden Interview noch einmal ausdrücklich betonte und den starken Auftritt unseres Teams würdigte.

4. Einzel: Filip Zeljko vs. Fan Zhendong

In den ersten beiden Sätzen zeigte sich die neue Nr. Eins von Düsseldorf, Fan Zhendong, von seiner dominanten Seite. Filip riskierte viel, agierte in seinem druckvollen Spiel jedoch zunächst mit einer zu hohen Fehlerquote (4:11, 3:11).

Ab dem dritten Satz dann ein anderes Bild: Unser „Speedking“ war plötzlich „on fire“ und machte seinem Beinamen speedking alle Ehre. Bei 6:8 Rückstand spielte Filip auf absolutem Weltklasseniveau und komplett auf Augenhöhe. Die Bälle die Anfangs nicht kamen, kamen plötzlich und schlugen unerreichbar für Fan Zhendong ein. Wahnsinnspunkte und der verdiente Satzgewinn mit 11:9.  Wir hatten plötzlich ein Spiel!

Auch im vierten Durchgang fightete Filip gewohnt kämpferisch und zwang den chinesischen Ausnahmespieler beim Stand von 8:9 sogar in ein Time-out. Dyn-Kommentator Dennis Heinemann analysierte treffend: „Richtig schwierige Situation für Fan Zhendong.“

Zwar erarbeitete sich der Düsseldorfer kurz darauf Matchbälle (10:8), doch Filip konterte nervenstark mit seinen gefährlichen Aufschlägen zum 10:10. Ein erneuter Matchball bei 10:11 wehrte er mit einer brutalen Rückhand ab – selbst Timo Boll als Co Kommentator für Dyn tätig, zeigte sich sichtlich beeindruckt: „Unglaublich, was der heute trifft!“ Am Ende entschied beim Stand von 12:11 leider das nötige Quäntchen Netzkantenglück für Fan Zhendong diesen Krimi.

Der Entscheidungssatz war zum Greifen nah, und auch wenn es letztlich ein verdienter Gesamtsieg für die Borussia war, ziehen wir ein durchweg positives Fazit: Nach über drei Stunden erlebten die Fans ein extrem intensives Match mit spektakulären Ballwechseln in einem absolut gigantischen Rahmen für die Tischtennis-Bundesliga!

Timo Boll zeigte sich begeistert: „Das ganze Team von Bad Königshofen präsentierte sich schon sehr sehr gut.“

Timo Neumann, Headcoach TSV:  Es war kein schlechtes Spiel von uns. Zufrieden bin ich trotzdem nicht ganz mit dem Ergebnis., hätte gerne noch das Doppel gesehen. Haben uns insgesamt gut verkauft. War heute ein Super-Event.

Dang Qiu: Bad Königshofen hat sich Weltklasse präsentiert. Wenn die sich in jedem Spiel so präsentieren und dieses Niveau vom Kampfgeist und von der Qualität in den Spielen halten, können sie es weit schaffen in der Liga. Wir mussten heute alle alles geben.

 

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