Achterbahnfahrt ohne Happy End

TTBL

Es war ein langer unglücklicher erster Arbeitstag an der Bande unseres Teams: Timo Neumann  (Alle Beitragsbilder: Sportfoto Philipp Wohlfart)

Was für eine emotionale Achterbahnfahrt zum Auftakt der neuen Tischtennis-Saison! Unsere Fans erlebten ein echtes Drama voller spektakulärer Ballwechsel und verpasster Chancen an dessen Ende wir uns knapp geschlagen geben musste und es nichts wurde mit einem Auftaktsieg (es wäre der 87. in unserer Bundesligageschichte gewesen).

Zum Auftakt kam es direkt zum Duell der Generationen. Der amtierende U21-Europameister Andre Bertelsmeier traf auf den exakt doppelt so alten Portugiesen Tiago Apolonia. Bertelsmeier startete stark, führte im ersten Satz souverän mit 10:6 und sicherte sich diesen mit 11:9. Im zweiten Durchgang schien beim Stand von 10:8 der nächste Satzgewinn greifbar, doch Apolonia wehrte die beiden Satzbälle ab und drehte den Satz noch mit 14:12 zu seinen Gunsten. Nach diesem psychologischen Dämpfer erwischte Andre im dritten Satz einen Fehlstart (0:5), kämpfte sich zwar noch einmal auf 8:7 heran, verlor aber mit 7:11. Auch im vierten Satz lief der TSV-ler ständig einem Rückstand hinterher (4:6, Auszeit bei 7:8) und musste sich schließlich mit 7:11 geschlagen geben. Die Gäste gingen mit 1:0 in Führung.

Im zweiten Spiel musste unser taiwanischer Neuzugang Liao Cheng-Ting an den Tisch und  legte im ersten Satz los wie die Feuerwehr: Über ein 5:0, 6:4 und 9:4 holte er sich den ersten Durchgang bärenstark mit 11:5. Im zweiten Satz konterte Jarvis und glich mit 11:8 aus. Der dritte Satz bot packende Ballwechsel: Nach zwei glücklichen Kantenbällen und einem sensationellen Schlagabtausch mit Netzberührung holte sich Liao den Satz mit 11:7. Die Halle stand im vierten Satz Kopf, als Cheng-Ting nach einer Wahnsinnsrallye zum 3:1 stehende Ovationen erntete. Das Niveau stieg von Ballwechsel zu Ballwechsel. Beim Stand von 10:9 schnupperte Liao am Sieg, hatte Matchball, doch Jarvis drehte den Satz mit 13:11. Im entscheidende Fünften verließ unseren Neuzugang das Glück (2:5, Auszeit bei 3:7, 7:11), so dass auch dieser Punkt an die Gäste ging.

Basti startete erfolgreich in seine persönlich 27. Bundesligasaison: 3:2 Erfolg über Walther

Kilian Ort an seiner alten Wirkungsstätte beim Coachen von Ricardo Walther. Dieses Spiel wurde verloren. Am Ende siegte er aber mit dem ASC in seiner Heimat.

Nach der Pause brachte Basti Steger den TSV wieder zurück ins Spiel. Den ersten Satz schnappte er sich der Ex-Nationalspieler gegen den aktuellen (Ricardo Walther) nach einer 10:5-Führung sicher mit 11:8. Danach wendete sich das Blatt, und Walther ging durch ein 11:7 und 11:8 im zweiten und dritten Satz mit 2:1 in Führung. Der vierte Satz glich einer reinen Achterbahnfahrt: Nach einem schnellen 1:6-Rückstand für unseren Kapitän bahnte sich ein schnelles Ende an. Mit einer unglaublichen Energieleistung und sechs Punkten in Folge kämpfte sich Basti nicht nur heran, sondern ging sogar mit 7:6 in Führung. Bei 10:11 hatte dann dennoch Walther Matchball nicht nur für sein Einzel sondern auch zu Gunsten des gesamten Spiels. Mit der Erfahrung von 26  Jahren Tischtennisbundesliga  wehrte Steger diesen ab und erzwang mit 13:11 den Entscheidungssatz. Dort ließ der Routinier nichts mehr anbrennen: Über 5:1, 7:2 und 8:5 machte er mit einem 11:8 den viel umjubelten Anschlusstreffer zum 1:2 perfekt.

Andre brachte uns mit seinem Sieg über Tom Jarvis ins Schlussdoppel

In seinem zweiten Match zeigte Andre Bertelsmeier eine bärenstarke Reaktion. Den ersten Durchgang musste er nach einem bitteren gegnerischen Kantenball zum 8:9 noch mit 8:11 abgeben. Im zweiten Satz zeigte er seine ganze Klasse gegen den 46. der Weltrangliste: Nach einer 9:5- und 10:8-Führung sicherte er sich den Satz nach einer Wahnsinnsrallye mit 12:10. Was dann kam,  war pure Taktik und geprägt von harten und präzisen Schlägen. Bertelsmeier dominierte von Beginn an (8:2, 10:5) und holte das Ding mit 11:6 – Highspeed-Tischtennis at its best! Im vierten Satz geriet er zunächst in Rückstand (2:5, 4:7, 6:9), bewies  enormen Kampfgeist und  besiegte seinen ehemaligen Mannschaftskollegen vom 1. FC Köln Tom Jarvis noch mit 13:11. Das Spiel war damit offener denn je und das Schlußdoppel musste die Entscheidung bringen. Hier wechselte Headcoach Neumann den zweifachen Europameister im Doppel Daniel Habesohn ein. Zusammen mit Basti sollte er den Siegpunkt gegen Walther und Apolonia holen.

Aufholjagd des TSV nicht belohnt: Steger/Habesohn verloren Schlussdoppel in vier Sätzen

Steger/Habesohn starteten auch gut, dominierten zu Beginn und erarbeiteten sich folgerichtig bei 10:8 zwei Satzbälle. Etwas überraschend mussten sie trotzdem den ersten Durchgang noch unglücklich mit 10:12 abgeben. Walther und Apolonia nutzten diesen Dämpfer für uns sofort aus und gingen nach einem schnellen 2:7 in Front. Am Ende stand es 7:11 aus unserer Sicht und 0:2. Im dritten Satz zeigten unser Doppel eine tolle Reaktion und holten diesen mit einem klaren 11:2. Kurzfristig keimte wieder Hoffnung auf, die jedoch sofort im Keim erstickt wurde, denn die Grünwettersbacher hatten nun ihrerseits einen Lauf. Den 0:8 Fehlstart aus TSV-Sicht in Satz vier konnten unsere beiden Routiniers nicht mehr wett machen. Mit 5:11 ging der Satz und damit das gesamte Match an die Gäste.

„Diebische Freude“: Tiago Apolónia mit Ricardo Walther nach dem Siegpunkt im Doppel

Fazit:

Es war ein Auftaktspiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Trotz der knappen Niederlage hat unsere Mannschaft weder spielerisch noch kämpferisch enttäuscht. Es gilt nun das Positive aus dem ersten Spieltag herauszuziehen.  Nimmt man mit Saarbrücken und Düsseldorf die beiden besten Mannschaften Europas aus (beide gewannen ihr Auftaktmatch mit 3:0), gingen die restlichen vier Spiele über das Schlussdoppel. Auch dies zeigt, wie ausgeglichen die Liga ist. Es war erst das erste von 22 Spielen. Die Saison ist noch lang und es bleibt nicht viel Zeit bis zu den nächsten Spielen. Bereits am Samstag um 20:00 Uhr müssen wir zur Borussia nach Düsseldorf. Der Rekordmeister geht für dieses Spiel extra in eine größere Halle, da Fan Zhendong seinen Einstand in Düsseldorf gibt. Die Trauben dürften gegen diese Weltauswahl mit dem aktuellen Olympiasieger Fan Zhendong aus China, der deutschen Nummer eins und 11. der Weltrangliste Dang Qiu, sowie mit Kanak Jha (WR 28) und Anton Källberg (WR 37) unerreichbar hoch hängen. 

Das Spiel im Stenogramm: 

TSV Bad Königshofen – ASC Grünwettersbach 2:3
Andre Bertelsmeier – Tiago Apolonia 1:3 (11:9, 12:14, 7:11, 8:11)
Liao Cheng-Ting – Tom Jarvis 2:3 (11:5, 8:11, 11:7, 11:13, 7:11)
Bastian Steger – Ricardo Walther 3:2 (11:8, 7:11, 8:11, 13:11, 11:8)
Andre Bertelsmeier – Tom Jarvis 3:1 (8:11, 12:10, 11:6, 13:11)
Steger/Habesohn – Apolonia/Walther 1:3 (10:12, 7:11, 11:2, 5:11)

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