Unser neuer Headcoach im Interview mit Jürgen Halbig

TTBL

Beitragsbild: Rudi Dümpert

Interview mit Timo Neumann, dem neuen Mann an der Bande

Der TSV Bad Königshofen hat die Nachfolge von Koji Itagaki geregelt: Mit Timo Neumann übernimmt ein junger, engagierter A-Lizenz-Trainer die Verantwortung als Headcoach der TTBL-Mannschaft. Gleichzeitig wird der 29-Jährige die Nachwuchsarbeit des Vereins aktiv mitgestalten und damit zwei zentrale Aufgabenbereiche übernehmen.

Der aus Nürnberg stammende Neumann bringt neben seiner Erfahrung als Trainer im Leistungs- und Nachwuchsbereich vor allem große Leidenschaft für den Tischtennissport mit. Er freut sich auf die Herausforderung in der Tischtennis Bundesliga und möchte sowohl die Profis bestmöglich unterstützen als auch die Entwicklung der jungen Talente im TSV fördern.

Timo ist 29 Jahre alt und verbringt seit 2010 als er durch einen Freund zum Tischtennis gekommen ist jede freie Minute mit Tischtennis. Er war der Wunschkandidat aus Sicht des TSV für diese „hybride Tätigkeit“

Bei seiner Vorstellung im gut besuchten TSV-Sportheim lernte er bereits zahlreiche Mitglieder, Eltern und Fans kennen. Sein erster Eindruck vom Verein: „Sehr familiär – ich wurde von Anfang an herzlich aufgenommen.“

        Freut sich sichtlich auf seine neue Aufgabe: Timo Neumann (Fotos: Rudi Dümpert)

Im folgenden Interview spricht Timo Neumann mit Jürgen Halbig vom TSV-Marketing über seinen Werdegang, seine Ziele und seine ersten Eindrücke in Bad Königshofen.

Timo, herzlich willkommen beim TSV Bad Königshofen! Was waren die ausschlaggebenden Gründe, dich für unseren Verein zu entscheiden?

Vielen Dank! Ich fühle mich tatsächlich seit dem ersten Tag hier sehr willkommen. Einer der ausschlaggebendsten Punkte ist sicherlich die Möglichkeit, eine Mannschaft in der 1. Bundesliga betreuen zu dürfen. Ein weiterer Punkt ist die große Leistungsspanne, die beim TSV vorhanden ist. Das bedeutet, dass ich Spieler wie Vova auf dem Weg zum Profi begleiten darf, die Spieler der Jugendmannschaften auf ihrem Weg an die bayerische oder vielleicht sogar nationale Spitze unterstützen und Anfängern den Spaß am Tischtennis vermitteln kann. Darin habe ich eine spannende und abwechslungsreiche Aufgabe mit neuen Herausforderungen gesehen, an denen ich sicher wachsen kann.

Als Honorartrainer des Bayerischen und auch des Deutschen Tischtennisbundes übernimmst du nun erstmals selbst die Verantwortung für eine Bundesligamannschaft. Mit welchen Gefühlen blickst du auf diese Herausforderung?

Richtig, den Großteil meiner Erfahrungen durfte ich im nationalen und zum Teil auch im internationalen Jugendbereich sammeln. In der Vorrunde der vergangenen Saison durfte ich außerdem die Mannschaft des TV 1879 Hilpoltstein in der 2. Bundesliga betreuen und dabei erste Erfahrungen im Erwachsenenbereich sammeln. Diese fielen durchweg positiv aus. Zu meinen Highlights gehörten die Siege von Matze Danzer in Köln (3:0 gegen Jarvis und 3:2 gegen Bluhm) sowie gegen Oldenburg (3:0 gegen Floritz).

Anfang des Jahres war ich dann drei Monate in Indien an einer Tischtennis-Akademie, wo ich mit indischen Spitzenspielern im Erwachsenen- und Jugendbereich arbeiten durfte. Der nächste Schritt ist nun die 1. Bundesliga. Deshalb freue ich mich sehr auf die kommende Saison, bin mir aber durchaus bewusst, dass dieser Schritt einen großen Sprung bedeutet. Ich glaube jedoch fest daran, dass ich an dieser Aufgabe wachsen und die Herausforderung so gut wie möglich meistern werde.

Du trittst die Nachfolge von Koji Itagaki an, der den Verein über viele Jahre geprägt hat. Was wirst du vom Vorgänger übernehmen? Was willst Du eventuell auch ändern?

Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Koji, der den Verein zweimal in die Play-offs geführt hat. Dennoch möchte ich mich nicht an meinem Vorgänger orientieren, sondern meinen eigenen Weg finden und gehen. Ich denke, der größte Unterschied liegt in meinem Fokus auf den gesamten Verein – von Anfängern bis hin zu Profis.

Der TSV befindet sich nach einigen sehr erfolgreichen Jahren in einem Umbruch. Die Liga ist zudem so stark wie noch nie. Zu einem Fan Zhendong als Welt und Olympiasieger kehrt mit Hugo Calderano ein weiterer Top Ten Weltranglistenspieler zurück. Was ist da im nächsten Jahr realistisch gesehen möglich? Was sind deine Ziele für das erste Jahr?

Ich denke, das Hauptziel sollte zunächst sein, den Klassenerhalt möglichst frühzeitig zu sichern. In der vergangenen Saison hat man bereits gespürt, was es bedeutet, im Abstiegskampf zu stecken. Ich hoffe, dass wir uns so schnell wie möglich davon absetzen können, zumal der TSV Windsbach in dieser Saison den Aufstieg in die 1. Bundesliga anstrebt. Dadurch wird es aller Voraussicht nach in der kommenden Saison mindestens einen Absteiger geben.

Auf deiner Homepage beschreibst du deine Philosophie mit dem Satz „Reach your full potential“. Was bedeutet dieser Leitsatz für dich persönlich?

Sehr gut recherchiert 🙂 Das bedeutet für mich, dass ich jeden Spieler auf seinem persönlichen und individuellen Weg so gut wie möglich unterstützen möchte – unabhängig von Alter oder Spielniveau.

Als deine Stärken nennst du Ruhe, Geduld, Fachwissen, Teamfähigkeit und eine professionelle Arbeitsweise. Welche dieser Eigenschaften wird deiner Meinung nach in der Bundesliga am wichtigsten sein?

Ich denke, dass mir vor allem meine Teamfähigkeit und meine Ruhe bei der Aufgabe in der Bundesliga helfen werden. Ich hoffe, dass ich schnell ein gutes Verhältnis zum gesamten Team aufbauen kann, sodass wir als echte Einheit auftreten und miteinander kämpfen können. Außerdem möchte ich an der Bande gerade in brenzligen Situationen ein Ruhepol sein und die Spieler bestmöglich unterstützen.

Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben? Von eher emotional, situativ bis analytisch und bei den Hierarchiestufen von autoritär, über kooperativ bis zu partizipativ (also sehr flache Hierarchien)? Welche zwei treffen auf Dich am besten zu?

Ich würde mich selbst als analytisch und kooperativ einschätzen.

Neben der Bundesligamannschaft übernimmst du auch die Verantwortung für die Jugendarbeit. Welche Bedeutung hat die Nachwuchsförderung für dich?

Die Nachwuchsförderung bildet für mich das Fundament eines jeden Vereins sowie der gesamten Sportart. Ohne eine breite Basis kann meiner Meinung nach auch keine nachhaltige Spitze entstehen.

Wie stellst du dir die Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Bundesligabereich vor?

Ich erhoffe mir, langfristig Strukturen aufzubauen, die dazu beitragen, dass Spieler, die das möchten und das Potenzial dafür mitbringen, die Möglichkeit erhalten, sich bis in den Spitzensport hochzuarbeiten. Mit einem Spieler wie Vova haben wir beim TSV bereits einen jungen Spieler, der den Sprung zu den Profis schaffen könnte. An ihm können sich dann jüngere Spieler orientieren und sich hoffentlich einen ähnlichen Weg erarbeiten. Und wer weiß – vielleicht gibt es irgendwann noch einmal eine ähnliche Geschichte wie die von Kilian Ort, der es vom Anfänger in Bad Königshofen bis in die 1. Bundesliga geschafft hat.

Was möchtest du jungen Spielerinnen und Spielern vermitteln – unabhängig von sportlichen Erfolgen?

Das ist eine sehr gute und wichtige Frage! Ich bin nämlich der Meinung, dass junge Menschen durch Sport im Allgemeinen und durch Tischtennis im Besonderen unglaublich viel für ihr Leben lernen können. Die Wahrscheinlichkeit, später als Profi seinen Lebensunterhalt mit Tischtennis zu verdienen, ist äußerst gering. Aber selbst wenn es am Ende nicht klappt, kann man auf diesem Weg unheimlich viele positive Eigenschaften entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel Disziplin, Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen, Resilienz, der Umgang mit Niederlagen und Rückschlägen, Teamfähigkeit, die Freude an Bewegung und Sport, Problemlösungskompetenz sowie Geduld mit sich selbst und anderen – um nur einige zu nennen.

Wann würdest du nach deiner ersten Saison sagen: „Das war ein erfolgreiches erstes Jahr in Bad Königshofen“?

Wenn die Mannschaft, die Spieler, die Fans, die Eltern und die Vereinsführung zufrieden ist.

Worauf dürfen sich unsere Fans unter Timo Neumann besonders freuen?

Ich versuche das familiäre Miteinander, dass ich bisher erleben durfte, so gut ich kann selbst zu leben. Ich möchte nahbar bleiben und stets im Sinne des Vereins denken und entscheiden.

Zum Schluss: Was möchtest du den Fans des TSV Bad Königshofen zum Start deiner neuen Aufgabe mit auf den Weg geben?

Ich blicke mit großer Vorfreude auf die kommende Saison und hoffe, dass es den Fans genauso geht. Ich durfte bereits erleben, wie grandios die Fans das Team gerade bei den Heimspielen unterstützen. Wenn diese Unterstützung auch nur ansatzweise so bleibt, müssen sich die gegnerischen Mannschaften warm anziehen, wenn sie uns in unserer Halle schlagen wollen. Das Team, die Fans und ich werden alles daransetzen, das zu verhindern! Nur der TSV!

 

Lieber Timo, wir freuen uns ebenso auf deine erste und unsere zehnte Saison in der Beletage des deutschen Tischtennis. Vielen Dank für das Interview.

Nach dem Auftakt mit Timo Neumann, der in die erste Saison bei uns geht, wird in einigen Tagen das Gespräch mit Filip Zeljko folgen, der als einziger unserer 1. Mannschaft alle 9 Erstligaspielzeiten und sogar noch den Zweitligaaufstieg als Spieler im Trikot des TSV miterlebt hat. 

 

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