Niederlage zum Saisonabschluss

TTBL

Der TSV unterlag im letzten Saisonspiel gegen den thüringischen Nachbarn mit 1:3 – Maksim Grebnev wurde verabschiedet

Bad Königshofen (rd) Fakt war am Mittwochabend um acht nach neun, dass der TSV Bad Königshofen sein 22. und letztes Spiel in der TTBL-Saison 21/22 gegen den Tabellendritten Post SV Mühlhausen mit 1:3 verloren hatte und zum Abschluss Achter wurde. Fakt ist aber auch, dass er gegen sechs der ersten Sieben der Abschlusstabelle je ein Mal gewonnen hat, außer Meister Düsseldorf. Vermutung bleibt, dass man, hätte man nicht ohne Kilian Ort (Bundeswehr-Lehrgang) und ohne Bastian Steger (Oberschenkel) antreten müssen, gegen die Thüringer, die in Bestbesetzung kamen, erneut als Sieger aus der Halle gegangen wäre. Es wäre aber auch so ein Sensationssieg unter diesen Umständen möglich gewesen, wenn im zweiten Spiel im vierten Satz lumpige zwei von sechs letzten Punkten für statt gegen den TSV gekommen wären. Dann wäre man 2:0 in Führung gegangen und das euphorisierte Publikum hätte vielleicht die Mannschaft zum Erfolg getrieben.

Apropos Publikum: Laut Hallensprecher Jürgen Halbig bei war bis Mittwoch der TSV Bad Königshofen Spitzenreiter der Zuschauer-Tabelle mit 35 mehr als Borussia Düsseldorf. Am Ende war der Abonnement-Meister doch vorne, zählte bei seiner 2:3-Niederlage glatte 850, in der Shakehands-Arena waren es „nur“ 507. Während die Rheinländer, ohne Boll und Karlsson, ein Spiel kampflos abgaben und im Doppel den Trainer mit verlieren ließen, holten die Rhön-Grabfelder alles aus sich raus, personell, sportlich und vom Rahmenprogramm her, um den Leuten noch mal einen Event zu bieten und ihnen Vorfreude auf die nächste Saison zu machen.

Es könnte nämlich durchaus dazu kommen, dass ab Ende August in der Stammmannschaft keiner dieses Trios vom Mittwochabend auftauchen wird. Was besonders schade für Filip Zeljko wäre, der gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu, mehrfacher EM-Medaillengewinner, vielleicht das beste Spiel seiner sieben Jahre im TSV-Trikot spielte. Höchst motiviert bis in die Haarspitzen, aber das ist er ja immer, top konzentriert bis zum letzten Ballwechsel und mit weit weniger Urschreien nach gewonnenen Ballwechseln fegte er den Vize-Europameister im Einzel (2018) und Vizeweltmeister im Doppel (2019) vom Tisch: 11:6/11:5/11:6 gegen Ionescu, der mit 14:8-Bilanz angereist war. Dabei war sich Zeljko der Situation und Tragweite seines Auftritts bewusst, wie er hinterher bestätigte. „In der kommenden Saison habe ich mit Basti (Steger), Killy (Ort) und Neuzugang Yukeya Uda (aus Japan, Nr. 30 der Welt) drei Brocken vor mir, an denen es schwer vorbeizukommen ist. Wenn ich aber mal meine Chance bekomme, will ich hundertprozentig da sein.“ Er hatte erst am Vormittag fürs achte Jahr beim TSV unterschrieben und will nach Ostern für drei Wochen nach Portugal in ein von ihm selber finanziertes Trainingslager.

Nun hatte er seine Mannschaft zumindest mal mit 1:0 in Führung gebracht. Und damit ein Teilziel erreicht, das da hieß: Wenn wir schon keine Chance haben, dann wollen wir sie nutzen, uns so lange wie möglich wehren und den Leuten guten Sport liefern. Wie wenig hätte dann gefehlt, und man hätte das Fundament für einen Überraschungscoup landen können. Maksim Grebnev, der nach dem Spiel verabschiedet wurde und den es zu seinen russischen Kumpels Sidorenko, Katsman und Trainer Mazunov nach Neu-Ulm zieht bzw. der gezogen wurde, hatte die österreichische Tischtennis-Ikone Daniel Habesohn eigentlich knapp über dem Boden. Gegen diesen Habesohn, Weltrangliste-27., der seit 2005 jedes Jahr an der WM teilnimmt, vielfacher Medaillengewinner, führte Grebnev nach bis dahin glanzvoller Abschiedsvorstellung mit 11:5/5:11/11:5 und 9:5. Es fehlten noch jene zwei Punkte, doch dann machte er seinem Namen „Maksim, der Unvollendete“ wieder mal alle Ehre. So hatte er schon öfter geführt – bei Niederlagen.

Hätte ihm bei 9:7 nicht doch eine Auszeit helfen können? Wer hätte dem sympathischen Botschafter seines Heimatlands den Erfolg nicht gegönnt! Dabei hatte er vorher noch darum gebeten, in der Umkleide still und heimlich verabschiedet werden, weil er Angst hatte ausgepfiffen zu werden. Stattdessen wurde der junge Russe genau so angefeuert wie die ganze Saison vor dem Krieg. Nach ihm musste der 16-jährige bayerische U18-Jugendmeister Akito Itagaki, Nr. 2 der TSV-II-Regionalliga-Mannschaft, bereits zum dritten Mal durchs TTBL-Fegefeuer, bekam vom humorlos auftrumpfenden Franzosen Irvin Bertrand eine Abfuhr, zwölf Punkte in drei Sätzen. In zwei, drei Jahren könnte das mal ein Duell auf Augenhöhe werden. Den Siegpunkt für die Gäste holte Habesohn gegen Zeljko, der diesmal nicht den Hauch einer Chance hatte.

Ergebnisse:
TSV Bad Königshofen – Post SV Mühlhausen 1:3
Filip Zeljko – Ovidiu Ionescu                        3:0 (11:6/11:5/11:6)
Maksim Grebnev – Daniel Habesohn           2:3 (11:5/5:11/11:9/9:11/6:11)
Akito Itagaki – Irvin Bertrand                        0:3 (8:11/3:11/1:11)
Filip Zeljko – Daniel Habesohn                     0:3 (4:11/6:11/8:11)
Oberschiedsrichter: Matthias Wilhelm (Kist)
Zuschauer: 507