Edelfans in der Tischtennisfamilie

TTBL

Saal a.d.S. (rd) Für Daniela und Bernhard Heckenlauer endet am Mittwoch, den 13. April eine schöne Zeit und beginnt eine für sie entbehrungsreiche, voraussichtlich bis Ende August. Mittwoch ist der für alle zwölf Vereine letzte Spieltag der TTBL (Tischtennis-Bundesliga) und führt in der Shakehands-Arena im fränkisch-thüringischen Derby den TSV Bad Königshofen und den Post SV Mühlhausen zusammen. Da wird das Saaler Ehepaar Heckenlauer natürlich wie bei jedem der anderen Spiele dieser Saison, sofern Zuschauende zugelassen waren, seine per Saisonkarte reservierten Stammplätze direkt hinter der Bande der Box einnehmen und seine „Familienmitglieder“, die Mannschaft des TSV Bad Königshofen, anfeuern. Das hört sich vielleicht etwas hoch gegriffen an. Die beiden empfinden aber nach all den Jahren, in denen sie die Mannschaft schon begleiten, Gefühle wir Vertrautheit, Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt, wie das in einer Familie der herkömmlichen Bedeutung auch der Fall ist.

„Zu dieser Familie zu gehören, gefällt uns immer wieder, und es gehören noch so viele andere dazu.“ Das erklärten Daniela (59), Sparkassenangestellte, und Bernhard (64), Finanzbeamter, bei einem Besuch in Saal in der Marienstraße. „Bei den Heimspielen gehen wir immer sehr rechtzeitig in die Halle, um so viele wie möglich uns seit Jahren bekannte Tischtennis-Fans begrüßen und einen Smalltalk halten zu können, bevor es losgeht. Ob es die Jüchsener TT-Freunde Egon Schüler und Günter Wachmer sind, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Frank Hofmann aus Volkach, Florian Lindenmayer aus Brendlorenzen oder verschiedene Königshöfer Tischtennisspieler von unteren Mannschaften, gegen die wir Saaler ja schon oft gespielt haben. Man freut sich immer wieder sich zu sehen.

Woher die Liebe zum Tischtennis allgemein und zur 1. Mannschaft des TSV Bad Königshofen im besonderen kommt, ist schnell erklärt. „Ich spiele jetzt seit über 50 Jahren und immer noch aktiv Tischtennis“, verrät Bernhard. Er habe auch schon viele Erfolge erzielt, fügt „relativ“ hinzu und führt an, dass er 2013 Meister mit dem TSV Saal in der 2. Kreisliga Nord 2013 mit einer persönlichen positiven Zu-Null-Bilanz wurde, sprich, alle Einzel der Saison gewonnen hat. In dieser Einfach-Runde 2021/22 wurde Saal Meister der Bezirksliga für 4-er-Mannschaften Unterfranken Nord mit 10:0 Punkten. Seine Bilanz war 8:4 im Einzel und 5:2 im Doppel.

Zwischen den zwei TSV´s von Saal und Bad Königshofen ging es früher nicht immer so familiär zu, wenn man sich im Tanzsaal des Gasthauses „Zum Grünen Baum“ bzw. im alten Turnerheim in Königshofen duellierte. Woher also diese familiäre Freundschaft heute mit den Königshöfern? Daniela erinnert sich: „Es muss 2008 rum gewesen sein, als mich mein Sparkassenkollege Josef Ort ansprach, sie spielten jetzt in der Landesliga, würden sich über jeden einzelnen Zuschauer freuen und wollen aufsteigen. Seit dieser Zeit waren wir bei jedem Heimspiel oben in KÖN, aber nicht oben auf der Tribüne, sondern unten in einem Hallendrittel auf einer Bank. Da waren die zwei Jüchsener auch schon dabei. Wir vier waren die einzigen Zuschauer, die keine Vereinsmitglieder waren. Es waren insgesamt aber auch nur acht bis zehn. Da hat´s keinen Eintritt gekostet und es gab auch nichts zu essen.“

So hätten sie einen Aufstieg nach dem anderen miterlebt, bis hinauf in die 1. Bundesliga, und waren damals schon vereinzelt auch bei Auswärtsspielen dabei wie zum Beispiel in Mainz, Passau oder Hilpoltstein. Sie haben miterlebt, wie Spieler gekommen und wieder gegangen sind, wie aber um Christoph Schüller und Kilian Ort herum die Mannschaft immer besser wurde. Erst waren es Sechser-, dann Vierer- und in der TTBL schließlich Dreier-Mannschaften. Als die beiden Tschechen Richard Vyborny und Marek Klasek, der Kroate Filip Zeljko und der Japaner Mizuki Oikawa in der 2. Liga dazu stießen, „waren das Typen, die auch für das Familiäre verantwortlich waren. Und das hat sich ja bis in die erste Liga fortgesetzt.

Natürlich sind die Heckenlauers auch ein bisschen stolz, „wenn Basti Steger, Kilian Ort“, ihr besonderer Liebling „Filip Zeljko oder in dieser Saison Maksim Grebnev auf einen zukommen und grüßen.“ In dem Moment holt Daniela zwei Bälle, „die wir aus Düsseldorf mitnehmen durften, auf denen die Spieler beider Mannschaften unterschrieben haben, auch in japanisch.“ Schon öfter waren sie mit den Spielern zusammen im Mannschaftsbus zu Auswärtsspielen, fuhren aber auch mit dem Bus oder dem Privatauto nach Mühlhausen, Neu-Ulm, Fulda oder Düsseldorf. „Wir waren bei beiden Spielen in den ersten zwei Saisons dabei, als wir in Düsseldorf in der ARAG-Arena gewonnen haben, einmal ohne, beim zweiten Mal mit Timo Boll, der gegen Mizuki Oikawa verloren hat. Da ist mir bald das Herz stehen geblieben, als Darko Jorgic das entscheidende Spiel gewonnen hatte“, erinnert sich Daniela und bekommt dabei wieder Gänsehaut.

Es sprudelt nur so aus ihnen heraus, wenn sie von den schönsten Erlebnissen erzählen. Daniela:„Das schönste war, als der ZDF-Sportstudio-Moderator Jochen Breyer durchs Spiel führte, als Düsseldorf in KÖN spielte.“ Und das traurigste? „Da fällt mir jetzt grad nix ein.“ Stattdessen bringt Bernhard was Grundsätzliches ein: „Das ist es ja. Wir Königshöfer verlieren ja auch nicht gerade wenig. Die Enttäuschung ist aber nie so wie zum Beispiel beim Fußball. Man freut sich dennoch, zwei oder drei Stunden lang Weltklasse-Sport und Wahnsinns-Ballwechsel gesehen zu haben. Und der Gegner, egal ob er gegen uns gewonnen oder verloren hat, bekommt auch immer Beifall. Wo gibt’s denn so was?“