Bastis Sieg war am Ende zu wenig

TTBL

Unser TSV fordert den Triple-Sieger in Bestbesetzung – Eine Niederlage die Mut macht

Am 6. Spieltag der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) stand für uns eine der schwersten Aufgaben der gesamten Saison auf dem Programm: die Auswärtspartie beim amtierenden Triple-Sieger 1. FC Saarbrücken-TT. Angesichts unserer aktuellen Tabellensituation – mit 2:8 Punkten lagen wir vor der Partie punktgleich mit Mühlhausen und Bergneustadt auf dem 10. Platz – war die Hürde im Saarland ohnehin extrem hoch.

Dass die Gastgeber uns extrem ernst nahmen, zeigte sich an ihrer Aufstellung: Nach der 0:3-Niederlage mit einer Rumpftruppe am vergangenen Spieltag in Ochsenhausen machten die Saarländer gegen uns keine Experimente mehr. Sie schickten genau das Team ins Rennen, mit dem sie das Triple verteidigen wollen. Zum erst zweiten Mal in dieser Saison boten sie ihre absolute Top-Verpflichtung auf: den Brasilianer Hugo Calderano, die Nummer 7 der Welt. Da auch Patrick Franziska (Nr. 24) und Eduard Ionescu (Nr. 54) im Aufgebot standen, war klar: Der TSV brauchte einen Sahnetag, um etwas Zählbares aus dem Saarland mitzunehmen.

Wir reisten mit Ausnahme von Filip Zeljko komplett an. Unser Trainer Neumann entschied sich neben Basti Steger und Andre Bertelsmeier für Daniel Habesohn als dritten Akteur. Am Ende mussten wir uns zwar mit einer 1:3-Niederlage geschlagen geben, doch diese Partie war alles andere als ein Rückschlag – sie macht Mut für die kommenden Aufgaben! Denn letztlich war es an diesem Tag lediglich ein überragender Hugo Calderano, der den Unterschied ausmachte.

Die Spiele im Detail

Hugo Calderano vs. Andre Bertelsmeier | 3:0 (11:6, 11:5, 11:9)
Unser amtierender U21-Europameister Andre Bertelsmeier hatte im ersten Einzel gegen den brasilianischen Weltklassespieler einen extrem schweren Stand. In den ersten beiden Sätzen war Andre fast chancenlos – Calderano agierte schlicht zu druckvoll und zu hart. Im dritten Durchgang zeigte Andre jedoch großen Kampfgeist und erspielte sich Führungen von 4:1 und 7:4. Am Ende bewies der Brasilianer seine Klasse, drehte den Satz zum 11:9 und sicherte Saarbrücken die 1:0-Führung.

Eduard Ionescu vs. Daniel Habesohn | 3:2 (7:11, 11:6, 7:11, 11:5, 11:5)
Vor fast genau einem Jahr hatte Daniel in Bad Königshofen souverän mit 3:1 triumphiert, weshalb Coach Neumann mit der Aufstellung unseres Österreichers an Position eins taktisch richtig gepokert hatte. Daniel erwischte einen Traumstart und holte den ersten Satz hochverdient mit 11:7. Nach einem Durchhänger im zweiten Satz (6:11) übernahm Daniel im dritten Durchgang wieder das Regiment. Mit seinen variantenreichen Aufschlägen stellte er Ionescu vor immense Probleme (der Rumäne machte im gesamten Satz nur einen Punkt bei Daniels Aufschlag) und holte den Satz mit 11:7. Dem klaren 4:11-Satzausgleich folgte der entscheidende fünfte Satz. Nach einer 4:2-Führung für Daniel wendete sich das Blatt: Beim Seitenwechsel führte Ionescu knapp mit 5:4. Auch ein strategisches Timeout unsererseits nutzte nichts mehr. Bei Daniel war leider der Stecker gezogen – mit 5:11 ging der Punkt zum 2:0-Pausenstand an Saarbrücken. Ein echtes Fünfzig-Fünfzig-Spiel, das mit etwas Glück auch in unsere Richtung hätte kippen können.

Patrick Franziska vs. Basti Steger | 2:3 (9:11, 9:11, 11:5, 11:2, 8:11)
Nach der Pause folgte der große Auftritt unseres Kapitäns Basti Steger gegen den bis dato in der TTBL noch ungeschlagenen Patrick Franziska (4:0 Siege). Basti zeigte von Beginn an eine taktische Meisterleistung, sicherte sich den ersten Satz über ein 9:9 mit 11:9 und holte im zweiten Satz einen 2:6-Rückstand auf. Trotz einer frühen Auszeit von Franziska blieb Basti cool und stellte mit einem weiteren 11:9 auf eine überraschende 2:0-Satzführung. Danach kam der aktuelle Nationalspieler besser auf und glich mit 11:5 und 11:2 aus. Im fünften Satz zeigte sich wieder einmal, warum Basti unser absolutes Mentalmonster ist: Beim Wechsel führte er bereits mit 5:2 und baute den Vorsprung auf 7:2 aus. Zwar verkürzte Franziska noch einmal auf 7:6 (Timeout TSV), doch Basti zog auf 10:7 davon und nutzte seinen 2. Matchball eiskalt zum 11:8-Erfolg. Dies war sein elfter Sieg aus den letzten zwölf Fünfsatz-Spielen – eine Wahnsinns-Serie, die für das erstklassige Nervenkostüm unseres Kapitäns spricht.

Hugo Calderano vs. Daniel Habesohn | 3:0 (11:3, 11:5, 11:5)
Im vierten Einzel machte der Champions-League-Sieger dann den Sack zu. Daniel war gegen einen wie entfesselt aufspielenden Calderano chancenlos. Der Top-Ten-Spieler aus Brasilien agierte an diesem Tag auf einem völlig anderen Level und bewies, warum er zu den absoluten Ausnahmekönnern weltweit gehört.

Unser Fazit

Die 1:3-Niederlage beim Branchenprimus ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Hugo Calderano hat an diesem Tag schlicht den Unterschied gemacht.

Die Punkte für den Klassenerhalt müssen wir gegen andere Teams holen. Ein wichtiges Detail macht Hoffnung: Nach sechs Spieltagen haben wir bereits gegen die ersten drei Mannschaften der Tabelle (Düsseldorf, Ochsenhausen und Saarbrücken) gespielt. Ab sofort warten auf dem Papier leichtere, sprich auch machbare Aufgaben auf uns, in denen wir uns für unseren Aufwand belohnen wollen. Wir brauchen Punkte, und die Mannschaft ist bereit, sich diese zu holen!

Unser Youngster Andre Bertelsmeier ordnete das Geschehen nach dem Spiel im Dyn-Interview treffend ein:

„Wenn Hugo Calderano auf diesem Top-Top-Niveau spielt, dann war das heute eine Lehrstunde für mich. Der Knackpunkt, wo es heute auch in unsere Richtung hätte laufen können, war das Spiel von Daniel gegen Eduard Ionescu. Edi ist auch ein toller Spieler, das ist ein klassisches Fifty-Fifty-Spiel. Schade, dass wir das verloren haben, ich hätte gerne noch das Schlussdoppel gesehen. Basti hat wieder ein Riesenspiel gemacht. Wir versuchen jetzt, unseren Punktestand von 2:10 so weit wie möglich wegzuschieben und positiv in die nächsten Spiele zu gehen. Für mich geht es jetzt erst einmal zum China Smash und dann zur EM“

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