Nah dran statt nur dabei

Bild TSV: Mizuki Oikawa (links) gegen Hugo Calderano: Spitzensport, in Bad Königshofen von bis zu 800 Zuschauern gewürdigt, verfolgten in Ochsenhausen nur wenige Tischtennisfreunde Bild TSV: Mizuki Oikawa (links) gegen Hugo Calderano: Spitzensport, in Bad Königshofen von bis zu 800 Zuschauern gewürdigt, verfolgten in Ochsenhausen nur wenige Tischtennisfreunde
Kilian Ort Stück für Stück zur Form zurück
Bad Königshofen (rd) „Ehrenvoll, knapp, eng, wir sind ganz nah dran. Ich bin stolz auf die Jungs.“ Dies und Ähnliches gab der Manager des TSV Bad Königshofen Andy Albert während und nach dem Spiel beim Favoriten auf die Finalteilnahme um die Deutsche Meisterschaft, den Tischtennisfreunden (TTF) Ochsenhausen, von sich. Und das bei 1:3-Endstand und 4:10 Sätzen? Nicht nur der Blick auf die Ballwechsel, bei denen kein Hauch von Qualitätsunterschied festzustellen war, sondern auch der etwas genauere auf die Zähltafeln bestätigt Alberts Einschätzung: In sieben der zehn verlorenen Sätze stand es 9:9, 10:10 oder sogar 12:12. Und alle sieben Mal gingen die letzten zwei Punkte an den Franzosen Simon Gauzy, Nummer 9 der Welt bzw. den Brasilianer Hugo Calderano, Nummer 17. Jawohl: Der Tabellenvierte, der seine Final-Four-Teilnahme nicht aufs Spiel setzen wollte, hatte seine zwei Besten gleichzeitig aufgeboten: Erst zum zweiten Mal in dieser Runde. Groß und stark genug ist der Kader ja.
Doch unbeeindruckt ging schon mal der 19-jährige Darko Jorgic gegen den 23-jährigen Vize-Europameister von 2016 Gauzy an den Tisch. Ebenso unbeeindruckt, wie er den schnellen 0:3-Rückstand weg steckte, sich bis 9:9 hinein fightete – und zum ersten Mal mit dieser Knappheit des Satzverlusts leben musste. Wo war da der Unterschied dieser zwei Weltklasse-Athleten? Gauzys Rückhand die gleich gefährliche Waffe wie die von Jorgic. Die Vorhand vielleicht noch einen Tick sicherer platziert. Die offiziell gemeldeten 140 Zuschauer (wo sie nur waren?) spürten, dass ihre Unterstützung nötig war. Mehr noch der Hallensprecher, der sie immer wieder zu „Simon – Simon“ Rufen aufforderte. Was im zweiten Satz von 6:6 bis 11:6 noch half. Im dritten zeigte Jorgic sein bestes Tischtennis gegen einen seiner besten Gegner in seiner jungen Karriere – 11:6 für ihn und vierter Satz. Den er nach hochdramatischem Verlauf mit 10:12 abgeben musste. Mit gnadenlos riskanter Offensive hatte er zuvor zwei Matchbälle bei 8:10 abgewehrt.
Andy Albert zu dem Augenhöhe-Duell: „Es war absolutes Top-Level von Europa. Darko ist nicht mehr weit weg. Gauzy hat sich nur über seine Aufschläge gerettet. Heute hat man gesehen, was für ein Potenzial Darko hat.“ Besonders aufmerksamer Beobachter war Bad Königshofens Jorgic-Nachfolger für 2018/19 Bence Majoros, der ja in Ochsenhausen lebt und trainiert. Was folgte, war kaum weniger spektakulär. Auch Hugo Calderano und Mizuki Oikawa passten von ihrer Spielweise so gut zusammen, dass sich ein großes Spiel entwickelte. Mit einem leidtragenden „Mitsou“, der zwar 0:3 verlor, wobei aber (10:12/10:12/12:14) die negative Knappheit für ihn allein reserviert war. Ausgleichende Gerechtigkeit oder etwa eine Fortuna, die weiß, was sich gehört, gibt es in dieser blitzschnellen Sportart, in der Denken bei den Ballwechseln verboten scheint, nicht.
Und dennoch fiel bei genauem Hinsehen auf, was selbst diese Nuancen Unterschied macht: In besonders engen Situationen zaubern die Gauzy und Calderano halt doch einen noch härteren Endschlag, einen bisher noch nicht eingesetzten, noch mehr verdrehten Aufschlag und sogar einen kurzen Schupfball wie ein Kreisligaspieler aus dem Ärmel, der auf einmal eine physikalisch eigentlich unmögliche Flugbahn einschlägt.
Im dritten Match traf Kilian Ort auf den ehemaligen ungarischen Nationalspieler, Manager und Erstzmann der TTF Daniel Zwickl (33). Der, so wurde gemeldet, sprang für die verletzten Dyjas und Geraldo ein. Eine Woche vorher hatte der ehemalige Zweitliga-Profi von Fortuna Passau bei seinem Besuch mit Bence Majoros in Bad Königshofen auf Nachfrage erklärt: „Mein Pass liegt in Ochsenhausen.“ Wieder mal eine undankbare Aufgabe für Ort, die er aber wieder mal mit Bravour erledigte: Im ersten Satz knapp, im zweiten deutlich. Im dritten schien der Arm immer schwerer zu werden, weil der Kopf „Das gibt’s doch nicht“ sagte. Im vierten domnierte aber wieder Orts gefährlichste Waffe, die Vorhand. So dass Andy Albert sich nicht nur über den Anschluss zum 1:2 freute, sondern „Stück für Stück zur Form zurück“ lobte.
Im vierten Spiel Oikawa gegen Gauzy war wieder erkennbar, dass sich der Unterschied zwischen den Top 10 und der 130 in einer kleinen Lücke widerspiegelt. Nur dann, wenn der Franzose nach ganz unten in seinem Nähkästchen griff und den Joker für die besonders enge Situation raus holte – wie zwei Mal von 9:9 zu 11:9. „Wir verlassen hier mit erhobenem Haupt die Halle“, bemerkte Andy Albert „kein bisschen enttäuscht“. Aber besonders Darko Jorgic und Mizuki Oikawa nahmen gemischte Gefühle darüber, wie diese Lücke zu schließen sei, mit in die verschneite Nacht des Schwäbischen Oberlands hinaus.

Ergebnisse:

Gauzy – Jorgic             3:1  (11:9/11:6/6:11/12:10)
Calderano – Oikawa     3:0  (12:10/12:10/14:12)
Zwickl – Ort                1:3  (10:12/6:11/11:4/6:11)
Gauzy – Oikawa           3:0  (11:6/11:9/11:9)
Oberschiedsrichter: Krohmer
Zuschauer: 140

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