An der dritten Sensation geschnuppert

Bild TSV: Der Kleinste spielte ganz groß auf: Mizuki Oikawa schlug den Olympia-Medaillen-Gewinner Bastian Steger Bild TSV: Der Kleinste spielte ganz groß auf: Mizuki Oikawa schlug den Olympia-Medaillen-Gewinner Bastian Steger
Die TSV-Boygroup wurde auf ihrem wilden Ritt Richtung Play-Offs eingefangen
Bad Königshofen (rd) Skeptiker, die vor einem Bundesligaaufstieg warnten, sahen Spiele in der Eliteliga vor sich, die für den TSV 0:3 verloren und nach einer Stunde beendet sein würden. Als gestern in der Shakehands-Arena zwischen dem TSV Bad Königshofen und Werder Bremen drei Stunden und sieben Minuten um waren, da stand es 2:2 und es fing alles noch einmal von vorne an. Rotzfrech und ohne jeden Respekt vor den Weltranglisten-Top-Platzierungen ihrer Gegner spielte die TSV-Boygroup, mit 20 Jahren Durchschnittsalter, gegen den Tabellenzweiten und stand dicht vor der dritten Sensation hintereinander. Den Auslöser der erneuten Bombenstimmung unter den 550 Zuschauern drückte der top-gesetzte Darko Jorgic im Spiel gegen die WR-Nummer 20, den Ägypter Omar Assar. Doch im ersten Satz war das noch nicht dieser Jorgic, der seine letzten fünf Spiele in Serie gewonnen hatte. Bremens Coach Cristian Tamas muss den 19-Jährigen sehr gut studiert haben. Beim 8:11 im ersten Satz fand er einfach nicht in sein Spiel. Ganz anders die folgenden.
Waren das nur Korrekturen von Coach Itagaki an seinem Matchplan oder sollte sich dieses Mentalmonster Jorgic auf Grund seiner Psyche doch durchsetzen? 11:9 zum Satzausgleich. Längst war seine Rückhand zur Führhand geworden, die bestimmte, in welcher Ecke der Ägypter reagieren musste. Im dritten Satz hatte er ihn endgültig im Griff, ließ sich seine 4:1-Führung bis zum 11:6 nicht mehr nehmen. Zum Auftakt des vierten war zu befürchten, dass Werder-Coach Tamas was Entscheidendes gesehen haben musste. Schnell stand es 0:4, aber ein Zurückweichen kennt ein Jorgic nicht. Der Junge strotzt nur so vor Selbstvertrauen und kuscht vor keiner Weltrangliste, in der er gerade in die ersten 100 geschlüpft ist. So steckte er den Rückstand weg wie ein lästiges Übel und gewann den Satz und das Spiel mit 11:9 zur 1:0-Führung des TSV.
Jetzt lag es an Mizuki Oikawa, im Duell gegen den zweifachen Olympiamedaillengewinner Bastian Steger den nächsten Grundstein für eine weitere Sensation zu legen. Diesen Steger, der vor 20 Jahren schon einmal in dieser Halle gespielt hat: In der Landesliga Nord mit Kareth-Lappersdorf, gegen Josef Ort, den Vater von Kilian Ort, als dieser ein Jahr alt war. Im ersten Satz lag er bis neun immer in Führung, am weitesten mit 8:5, unterlag aber mit 9:11. Mitte des zweiten Satzes schien geklärt, wer wem sein Spiel aufdrängt: Nicht Steger mit der starken Rückhand und der Bärenruhe und Ausgeglichenheit eines Sportlers, der schon alles mitgemacht und erreicht hat, sondern das Wiesel Oikawa – 11:8. Der dritte Satz war vielleicht der spannendste, den diese Halle je gesehen hat. Erst seinen sechsten Satzball konnte der kleine Japaner zum 15:13 verwandeln.
Das „Fliegerlied“ mit „und i flieg, flieg...“, ein Faschingshit vor ein paar Jahren, zum Seitenwechsel aufgelegt, muss beide zu einer nochmaligen Steigerung und einem sportlichen Höhenflug getrieben haben. 8:3 lag Oikawa vorne, sein Gegner schüttelte nur noch ratlos den Kopf. Doch wie sich in seinen zwei Spielen zeigte, ist er gerade bei solchen Anzeichen am gefährlichsten. Er kam zurück und gewann mit 11:9. Der fünfte Satz war dann eine wahre Abnutzungsschlacht, ein Tischtennis-Psycho-Thriller inklusive Schuhpendel-neu-Binden bei 9:9 von Oikawa. Steger hatte einen Matchball, der Königshöfer verwandelte seinen dritten zum 14:12 und 2:0 für den Gastgeber zur Pause.
He, was geht denn da schon wieder ab“, schauten sich die Zuschauer staunend an. Würde denn auch der Kilian-Ort-Ersatz Filip Zeljko an seinen Höhenflug von Düsseldorf und Mühlhausen anknüpfen können? So viel hier schon: Er verlor zwar, zeigte aber eine Klasse-Vorstellung mit großer Mentalität. Trotz 5:1-Führung gab er den ersten Satz mit 9:11 gegen den Rumänen Hunor Szösc ab. Auch im zweiten spielte er sich mit beherzter Offensive in die Herzen der Zuschauer, verlor aber 7:11. Der einzige, aber entscheidende Unterschied: Sein Gegner hatte eine niedrigere Eigenfehler-Quote. Im dritten Satz gingen beide, das Top-Niveau der ersten zwei Spiele vor Augen, ans Limit – 11:6 für Zeljko. Im vierten war dann kein Kraut mehr gegen den klugen Taktiker aus Rumänien gewachsen – „Anschlusstreffer“ zum 2:1.
Das Spitzenspiel der beiden Rückhand-Spezialisten Jorgic gegen Steger brachte den Gästen den Ausgleich, aber wie! Natürlich erst im fünften Satz, mit einem Kanten-Bauer als letztem Punkt zum 8:11. Also doch der finale Showdown David gegen Goliath, 1,61 von Oikawa gegen 1,94 von Assar. So glücklich Mizuki nach seinem Sieg gegen Steger strahlte, so geknickt war er nach Riesen-Gegenwehr gegen den Riesen. Nach gewonnenem ersten Satz gingen der dritte und vierte mit den knappsten Abständen (9:11 und 11:13) an Assar. Nach drei Stunden und 45 Minuten war man nach 1:3 und 0:3 (im Pokal) zum dritten Mal an den Bremern gescheitert, war der Traum von der dritten TSV-Sensation in Folge und dem Schielen nach den Play-Offs ausgeträumt. Knapper als 10:12 Sätze und 216:218 Bälle geht aber kaum.

 

Ergebnisse:
Jorgic – Assar 3:1    (8:11/11:9/11:6/11:9)
Oikawa – Steger 3:2   9:11/11:8/15:13/9:11/14:12)
Zeljko – Szösc 1:3   (9:11/7:11/11:6/8:11)
Jorgic – Steger 2:3   (7:11/8:11/11:9/11:7/8:11)
Oikawa – Assar 1:3   (11:5/6:11/9:11/11:13)
Oberschiedsrichter: Dr. Hubertus Reiner
Zuschauer: 550

Letzte Änderung am Montag, 11 Dezember 2017 07:45

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