Titelaspirant eine Nummer zu groß

Bild TSV: Mizuki Oikawa musste beim 1:3 zwei Sätze erst in Verlängerung gegen Hugo Calderano abgeben Bild TSV: Mizuki Oikawa musste beim 1:3 zwei Sätze erst in Verlängerung gegen Hugo Calderano abgeben
TSV wehrt sich nach besten Kräften
 
Bad Königshofen (rd) Die versprochenen Weltklasse-Ballwechsel und den absoluten Spitzensport genießen und den Sieg des um Nuancen besseren, in manchen Situationen auch glücklicheren Gegners anerkennen: Das taten die 680 Zuschauer in der Shakehands-Arena. Und damit gingen sie nicht so unzufrieden, wie es bei 0:3 in einer anderen Sportart wäre, nach etwas mehr als zwei Stunden nach Hause. Der Underdog hatte den Stier in den ersten zwei Matches immer wieder mal an den Hörnern gepackt. Erlegen konnte er ihn aber – noch – nicht. Denn wenn es eng und immer enger wurde, dann setzte sich doch die Klasse und Reife der aktuellen Champions-League-Mannschaft aus Oberschwaben durch. Der mehrfache Deutsche Meister, Pokalsieger und Europapokal-Sieger konnte sich sogar den Luxus leisten, seiner Nummer Eins, dem Weltranglisten-Achten und Vize-Europameister Simon Gauzy, zwischen German Open, Swedish Open, Bundesliga und Champions-League am morgigen Dienstag eine Pause zu gönnen. Einen deutschen Spieler hat Ochsenhausen nicht im Kader.
Klar an diesem Sieg des immer noch bärenstarken Trios war nur das nackte Ergebnis. Beim genauen Hinsehen auf die Verläufe der einzelnen Sätze wird ebenso klar: Dies war nicht nur „eine ehrenvolle Niederlage von Freiburg gegen Bayern“, wie es ein Zuschauer aus Thüringen einschätzte, sondern bis in die entscheidenden Phasen hinein ein Spiel auf Augenhöhe. Im ersten Duell Mizuki Oikawa gegen den siebenfachen-Südamerika-Meister Hugo Calderano aus Rio de Janeiro führte der kleine Königshöfer Japaner im ersten Satz ständig bis 10:7. Dann holte ihn die Angst vor dem Gewinnen ein: Frechheit, Risiko-Bereitschaft und sichere Aggressivität siegten. Die 60 Weltranglistenplätze Unterschied schlugen sich in mentalen Qualitätsvorteilen nieder. Eine gnadenlose Rückhand-Peitsche in Oikawas tiefe Vorhand brachte das 11:13.
Man hätte dem kleinen Mizuki gern Teleskop-Arme gewünscht, weil seine tollen Reflexe nicht ausreichten. Calderanos Rückhand war kein Schlag, das war eine Waffe. Davon beeindruckt ging der zweite Satz mit 6:11 weg. Doch dann meldete sich Oikawa mit 11:5 im dritten Satz zurück. Da war er, der Ehren-Satz. Ums Haar wäre ein weiterer dazu gekommen. Der vierte Durchgang verlief wieder auf Augenhöhe – bis zum 10:10. Die Halle stand Kopf und wurde wenig später beim 10:12 wieder umgedreht. 0:1 für Ochsenhausen.
Noch enger ging es im zweiten Match zu. Königshofens Darko Jorgic gegen die große polnische Hoffnung Jakub Dyjas. Zwei Spieler, die in ein paar Jahren das Geschehen an der europäischen Spitze zumindest mitbestimmen werden. 8:3 führte der 19-jährige Jorgic im ersten Satz und machte dann nur noch einen Punkt bis zum 9:11. Das nervt natürlich, nicht nur die Zuschauer. 8:5 für Jorgic im zweiten Durchgang, Satzbälle bei 10:9 und 11:10. Aber wieder 12:14, bezeichnend, durch einen eigenen Aufschlagfehler. Wer so etwas wegstecken kann, wird mal ein Großer. Der Hallensprecher klagte das Schicksal an, „das war die vierte Satzverlängerung, die gegen uns lief“ und ließ „I will survive“ auflegen. Jorgic überlebte auch diesen Schock. Nach 7:5 und 7:8 riss diesmal der Faden nicht. Er gewann den Anschluss-Satz mit 11:8. Und im vierten wehrte er bei 8:10 zwei Matchbälle ab zum 10:10. Jorgic hatte Nerven wie slowenische Drahtseile. Das Publikum war aus dem Häuschen – und durfte „draußen bleiben“. 12:10 und fünfter Satz! Den der TSV´ler bis zur 6:4-Führung offen hielt. Doch dann war da wieder dieser Aufsteiger-Knick, als dürfte es die Sensation einfach nicht geben. Der TSV-Zweier war bis zur 6:4-Führung auf Sieg-Kurs, verbuchte dann aber nur noch einen Ball für sich – 0:2 zur Pause.
Nun bekam es Kilian Ort mit dem Japaner Yuto Muramatsu, Nr. 37 der Weltrangliste, zu tun. Auf dem Weg zum Raus aus der Form-Delle ausgerechnet gegen einen Asiaten, ausgerechnet gegen einen Abwehrkünstler. In zwei Sätzen hielt Ort sehr gut mit, wenngleich absehbar war, dass er auch in besserer Verfassung von diesem Klasse-Spieler noch ein Stück weit entfernt ist. Der erste Satz ging für die Suche nach der geeigneten Taktik drauf. Im zweiten spielte auch eine Prise Wut im Bauch, garniert mit wilder Entschlossenheit mit. Doch plötzlich packte Maramatsu serienweise Vorhand-Konter aus, demonstrierte modernstes Abwehr-Konter-Spiel, mit einem Wahnsinns-Unterschnitt bei Vor- und Rückhand-Abwehr – 4:11. Schwer für Ort, aus diesem Loch wieder raus zu kommen. Dem Lokalmatador blieb nur noch, seinen Fans zu demonstrieren, dass er zu kämpfen und alles zu geben bereit war. Doch das reichte nicht. Und Halbig schloss: „Es fühlt sich nicht wie ein 0:3 an.“ Es war es aber doch - das erste im siebten Spiel.
 
Ergebnisse:
Oikawa – Calderano                1:3    (11:13/6:11/11:5/10:12)
Jorgic – Dyjas                          2:3    (9:11/12:14/11:8/12:10/7:11)
Ort – Muramatsu                     0:3     (7:11/4:11/8:11)
Oberschiedsrichter: Matthias Wilhelm
Zuschauer: 680    
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