Der Coup von Koudai gegen Kou Lei

Bild TSV: Koudai Hiraya der TSV Joker stach – sein Abwehrspiel mit langen Noppen riss die über 700 Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin Bild TSV: Koudai Hiraya der TSV Joker stach – sein Abwehrspiel mit langen Noppen riss die über 700 Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin
Historischer erster Bundesliga-Sieg beim Saturday-Night-Fever in der Shakehands-Arena
Bad Königshofen (rd) Da is das Ding“, sagte einst Oli Kahn mit der Meisterschale in der Hand. „Da isser“, der heiß ersehnte erste Bundesliga-Sieg des TSV Bad Königshofen. Nachzuvollziehen deshalb, dass in dem Zusammenhang am Samstagabend in der Shakehands-Arena immer wieder mal das Wort „historisch“ fiel. Dabei hatte so vieles dagegen gesprochen, dass gegen den ebenfalls Sieg-losen TTC Grenzau der Knoten platzen würde. Und die Angst ging um, was dann? Ohne die Nummer 1 Mizuki Oikawa (WM-Quali in Japan). Mit einem Kilian Ort, dessen gewohntes Sportler-Leben eine Woche lang bei einem Feldwebel-Lehrgang total auf den Kopf gestellt wurde.
„Man muss solche Dinge eben machen, die Bundeswehr ist mein Arbeitgeber.“ Dazu noch jene 1000-Kilometer-Pokal-Reise nach Bremen am Tag davor.
Zum ersten Mal wurde aber so richtig taktiert – von beiden Coaches. Grenzaus Dirk Wagner hatte seinen Einser Kou Lei, die Nummer 31 der Weltrangliste, „nach einer nötigen Aussprache diese Woche“, auf Position 3 degradiert. TSV-Itagaki und Sportleiter Richard Vyborny hatten den Dreier Darko Jorgic auf 1 beordert. Und an 3 rückte der Fünfer Koudai Hiraya, den Sponsor Kotani per 20-Stunden-Flugreise seinen Königshöfern „mitbrachte.“ Das Versteckspiel dehnte man bis zum Eintrag in den Spielbericht. Der Abwehrstratege ward nicht im Center-Court zu sehen, spielte sich mit Filip Zeljko an einem Tisch in der hintersten Ecke ein.
Im ersten Spiel, erster Satz, überrumpelte Darko Jorgic den Rumänen Constantin Cioti, der an seiner Stelle so gern nach Bad Königshofen gekommen wäre, nach zehn Jahren Werder Bremen aber bei Grenzau landete. Im zweiten war auf einmal der Faden verloren – aber nicht gerissen. Bedrohlich begann der dritte mit 1:5. Doch diesen Rückstand drehte Jorgic zum 8:5 und gewann 11:9, den vierten 11:3. Zum ersten Mal führte der TSV in einem Bundesligaspiel, und die Arena wurde zum Tollhaus. Überhaupt das Publikum: 712 hatten sich gegen Bayern-Leipzig, für Königshofen-Grenzau entschieden. Bemerkenswert zudem: Menschen von 8 bis 80, die ihren Narren gefressen haben an dieser Sportart und dieser begeisternden jungen TSV-Mannschaft.
Und die einen kleinen Dämpfer bekamen, als der Lokalmatador Kilian Ort nicht den nun eigentlich einkalkulierten Sieg gegen den ein Jahr jüngeren Kirill Gerassimenko einbrachte. „Drei Mal zu 9“, gab Ort hinterher zu. „Ich war heute so drauf, dass ich nicht einmal damit gerechnet hätte, drei Mal nur 9:11 zu verlieren.“ Der Protagonist spielte zu wechselhaft, ein Mal Weltklasse-Schläge und dann ein völlig verkrampfter Rückhand-Schupfer. War´s der Druck, die Erwartungshaltung der Leute, zu viel Hader mit sich selber oder zu wenig Geduld, mit dem Return gleich den Punkt machen zu wollen? Ort flüchtete gar nicht in Ausreden. „Lehrgang hin oder her, es war ein gebrauchter Tag. Die gibt es eben.“ Auf der Heimfahrt von Bremen habe er Andy Albert angeboten, für ihn mitzuspielen. „Er lehnte aber ab.“
Umso größer seine Freude, dass anschließend der TSV-Joker stach: Der Coup von Koudai gegen Kou Lei. Der Japaner, zwei Mal in der 2. Bundesliga im Einsatz, in der Weltrangliste überhaupt nicht in den Top1000 geführt, ein Teilzeit-Profi für die Abteilung Abwehrspiel beim Drehen von Tischtennis-Lehrfilmen bei Shakehands, brachte erst für ein paar Minuten die Fans zur Verzweiflung, dann diese WR31 aus der Ukraine. Bis 1:6 gegen Koudai Hiraya seufzte mancher Zuschauer, „was woll´n die mit dem?“ Doch Manager Andy Albert, Sponsor Kotani und Trainer Itagaki hatten dem TSV kein faules Ei ins Nest gelegt, sondern einen klugen Taktiker, Eigenmotivator und hoch konzentrierten, durch trainierten Sportler. Der schließlich die Fans so begeisterte, dass sie ihn zum 3:0-Sieg und zur zweiten Königshöfer Führung trugen. Die entscheidenden Punkte machte der Abwehrstratege sogar mit seinen Konter-Peitschen, die man von ihm nie vorher gesehen hatte.
Jetzt kam es zum Einser-Duell Jorgic gegen Gerassimenko, ein brutal offensiver Schlagabtausch, bei dem der 19-jährige TSV-Slowene im ersten Durchgang zwei Satzbälle bei 10:8 vergab und 10:12 verlor. Im zweiten drehte er auf, über 7:1 zum 11:8. Den dritten gewann er über 8:2 mit 11:5, und den vierten nach 2:6 mit 11:8. Um 28. Oktober 2017 um 21 Uhr 12 stand die Arena Kopf, war der erste Bundesligasieg in trockenen Tüchern. Und Kilian Ort erbrachte Höchstleistung, als er 78 Kilo Darko Jorgic hochleben ließ. Und selbst beim sofort anschließenden Tischtennis-Talk inhalierten noch viele Fans diese Atmosphäre, den ganz besonderen, historischen Moment.
Ergebnisse:
Jorgic – Cioto 3:1     (11:7/6:11/11:9/11:3)
Ort – Gerassimenko 0:3    (9:11/9:11/9:11)
Hiraya – Kou Lei 3:0    (12:10/11:7/12:10)
Jorgic – Gerassimenko 3:1   (10:12/12:10/11:5/11:8)
Oberschiedsrichter: Joachim Car
Zuschauer: 712

Letzte Änderung am Sonntag, 29 Oktober 2017 13:08

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